BusinessGeschichte des Cottbuser OstseesOstseenachrichtenTechnology

Wärme aus dem Cottbuser Ostsee: Wie die Stadt nach der Kohle heizen will

Rund die Hälfte der Cottbuserinnen und Cottbuser heizt mit Fernwärme. Etwa die Hälfte dieser Wärme kommt bisher aus dem Braunkohlekraftwerk Jänschwalde, über eine Heißwasserleitung. Nach dem Kohleausstiegsgesetz endet dort Ende 2028 die Kohleverstromung. Damit Cottbus nicht im Kalten sitzt, ist die Wärmelieferung vom Standort Jänschwalde vertraglich bis Ende 2032 gesichert. Bis dahin muss eine neue, klimafreundliche Lösung stehen.

Der See als Wärmespeicher

Kern des Plans der Stadtwerke Cottbus ist eine Großwärmepumpe mit rund 35 Megawatt Leistung. Ihre Wärmequelle ist der Cottbuser Ostsee, ein gefluteter ehemaliger Tagebau und künftig der größte künstliche See Deutschlands. Seine riesige Wassermenge speichert über das ganze Jahr Sonnenwärme.

So funktioniert es: Über eine doppelte Rohrleitung fließt Seewasser zum Heizkraftwerk in der Werner-von-Siemens-Straße. Dort entzieht die Wärmepumpe dem Wasser einen Teil seiner Wärme und bringt sie mit Strom auf die Temperatur, die das Fernwärmenetz braucht. Das Prinzip ist das gleiche wie beim Kühlschrank, nur umgekehrt. Das um wenige Grad abgekühlte Wasser fließt zurück in den See. Ob diese Abkühlung für das Ökosystem unbedenklich ist, wird im Genehmigungsverfahren geprüft.

Drei Bausteine für die Fernwärme

Die Seewasser-Wärmepumpe soll mindestens 40 Prozent der Fernwärme liefern. Den größten Teil des Rests übernimmt ein bereits neu gebautes Gas-Blockheizkraftwerk mit Wärmespeicher am selben Standort, das heute schon rund die Hälfte der Wärme erzeugt. Für besonders kalte Tage stehen zusätzlich Spitzenlastkessel bereit. Klimaneutral ist das Gesamtsystem damit noch nicht: Das Gaskraftwerk müsste später auf erneuerbare Brennstoffe umgestellt werden, und die Wärmepumpe ist nur so sauber wie der Strom, den sie nutzt.

Teuer und aufwendig

Die Kosten werden auf rund 77 bis 80 Millionen Euro geschätzt. Ohne Förderung ist das kaum zu stemmen. Infrage kommt vor allem die Bundesförderung für effiziente Wärmenetze, die bis zu 40 Prozent der Investition sowie einen Teil der Betriebskosten übernehmen kann. Weil es um eine große staatliche Beihilfe geht, muss zudem die EU-Kommission zustimmen. Das kostet Zeit.

Wann kommt die Wärme aus dem See?

Anfang 2026 haben die Stadtwerke die Planungsleistungen ausgeschrieben. Bisher gibt es Voruntersuchungen, die eigentliche Planung beginnt erst. Ein Start schon 2028 ist damit ausgeschlossen. Realistisch ist eine Inbetriebnahme frühestens um das Ende des Jahrzehnts. Die bis 2032 vereinbarte Lieferung aus Jänschwalde schafft dafür den nötigen Puffer.

Warum das Projekt wichtig ist

Für Cottbus ist die Ostsee-Wärmepumpe ein Symbol des Strukturwandels: Ein Loch, das die Kohle hinterlassen hat, wird zur Wärmequelle für die Stadt. Das Fraunhofer-Institut IEG testet dafür bereits in Cottbus Großwärmepumpen auf einem eigenen Prüfstand. Gelingt die Finanzierung, könnte Cottbus zeigen, wie Bergbaufolgeseen für eine klimafreundliche Wärmeversorgung genutzt werden können.


Werbung
FeWo apricot Cottbus


Der Cottbus-Newsletter

Keine Lust auf vollgemüllte Postfächer und belanglosen Mail-Spam? Verständlich.
Genau deshalb liefert dir dieser Newsletter einmal pro Woche nur das,
was einen Cottbuser interessiert – kompakt, verständlich und kostenlos.

Schreibe einen Kommentar

×
⚡ Cached with atec Page Cache