Schlichow

Schlichow – Ein Dorf zwischen Tradition und Zukunft

Schlichow (niedersorbisch Šlichow) ist mehr als nur ein Wohnplatz im Osten Cottbus‘ – es ist ein Ort mit bewegter Geschichte, lebendigen Bräuchen und spannenden Perspektiven. Als östlichster Ortsteil der Stadt Cottbus blickt Schlichow auf eine jahrhundertealte Tradition zurück, die bis heute im Dorfleben spürbar ist.

Historische Wurzeln

Erstmals urkundlich erwähnt wurde Schlichow im Jahr 1440 unter dem Namen Slixdorf. Der Ortsname leitet sich vom sorbischen Personennamen Slyk bzw. Slych ab und stellt einen sorbisch-deutschen Mischnamen dar. Im Laufe der Jahrhunderte wandelte sich die Bezeichnung: 1643 findet sich die Form Schliche, 1718/19 die Variante Schließdorf, bevor im Jahr 1718 erstmals der heutige Name Schlichow überliefert ist.

Das Dorf war über Jahrhunderte landwirtschaftlich geprägt – die Bewirtschaftung der Felder bestimmte den Alltag der Bewohner. Ein tiefer Einschnitt erfolgte im Jahr 1815, als Schlichow infolge des Wiener Kongresses vom Königreich Sachsen an das Königreich Preußen fiel. Bei der Kreisbildung 1816 wurde der Ort dem Landkreis Cottbus im Regierungsbezirk Frankfurt (Provinz Brandenburg) zugeordnet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam Schlichow zur Sowjetischen Besatzungszone und später zur DDR. Die Kreisreform am 25. Juli 1952 ordnete die Gemeinde dem Kreis Cottbus-Land im Bezirk Cottbus zu. Am 1. Januar 1974 erfolgte die Eingemeindung nach Dissenchen, gemeinsam mit Merzdorf. Nach der Wende erhielt der Kreis die Bezeichnung Landkreis Cottbus, bevor er im Zuge der brandenburgischen Kreisreform am 6. Dezember 1993 aufgelöst wurde. Dissenchen mit seinem Ortsteil Schlichow wurde in die kreisfreie Stadt Cottbus eingemeindet – Schlichow verlor dadurch seinen Status als eigenständige Gemeinde und wurde zum Wohnplatz herabgestuft.

Sprachliche Vielfalt

Bis ins 20. Jahrhundert hinein war Schlichow überwiegend sorbischsprachig. Der sorbische Volkskundler Arnošt Muka ermittelte für seine Statistik im Jahr 1884 eine Einwohnerzahl von 250, darunter 230 Sorben (*) und lediglich 20 Deutsche. Dieser hohe sorbische Bevölkerungsanteil nahm im Laufe der Jahrzehnte ab: Ernst Tschernik zählte 1956 insgesamt 384 Einwohner, von denen noch 212 (54,9 Prozent) Sorbisch sprachen.

Bergbaugeschichte und Ausblick

In den 1970er- und 1980er-Jahren musste ein kleiner Teil des Dorfes dem Braunkohletagebau Cottbus-Nord weichen – ein Schicksal, das viele Orte in der Lausitz teilten. Heute jedoch wendet sich das Blatt: Mit der fortschreitenden Flutung des Tagebaurestloches entsteht der Cottbuser Ostsee, an dem Schlichow künftig einen Anteil haben wird. Diese Entwicklung wird die Ortslage nachhaltig prägen und neue Chancen für Tourismus und Naherholung eröffnen.

Lebendiges Dorfleben

Trotz aller historischen Umbrüche hat Schlichow sein reiches Gemeinschaftsleben bewahrt. Der Jahreskalender ist geprägt von traditionellen Festen und Bräuchen:

Zampern im Januar/Februar: Die Dorfgemeinschaft zieht bunt verkleidet und tanzend von Haus zu Haus, sammelt Spenden für gemeinsame Aktivitäten und erhält traditionell Eier, die am Abend gemeinsam gebraten und verspeist werden.

Sorbische Fastnacht: Einige Schlichower kleiden sich in sorbische Trachten und ziehen durch das Dorf. Viele Bewohner laden die Umzügler zur Einkehr auf ihr Grundstück ein.

Osterbräuche: Vor Ostern werden Eier nach sorbischer Tradition kunstvoll gestaltet. Die Jugend errichtet alljährlich ein meterhohes Osterfeuer sowie ein kleineres Feuer für die Kinder, das früher entzündet wird.

Maibaumsetzen: Ende April wird gemeinsam der Maikranz gewunden, und am 30. April erfolgt das traditionelle Aufstellen des Maibaums, gefolgt vom Tanz in den Mai.

Sommerfest: Der Sportverein organisiert ein Sportfest, unterstützt vom Bürgerverein – ein Höhepunkt im sommerlichen Dorfleben.

Schlichower Weihnachtsmarkt: Seit 2008 findet dieses Highlight in der liebevoll dekorierten Scheune der Dakota-Ranch statt. Neben zahlreichen Ständen mit Essen und Getränken werden selbst geschnitzte Birkenkerzen und andere handgefertigte Produkte angeboten. Für Kinder gibt es ein Karussell, und seit 2017 kommt nicht der Weihnachtsmann, sondern das sorbische Bescherkind.

Blick in die Zukunft

Die künftige Entwicklung Schlichows wird maßgeblich von der Uferlage am entstehenden Cottbuser Ostsee bestimmt. Derzeit muss man noch „auf den Damm klettern“, um den Wandel vom Tagebau zum See zu verfolgen. Wie das Areal künftig gestaltet sein wird, bleibt spannende Zukunftsmusik – doch eines steht fest: Schlichow wird seinen ländlichen Charme und seine lebendigen Traditionen bewahren, während es sich den neuen Herausforderungen und Möglichkeiten stellt.

Ein Dorf, das seine Geschichte ehrt, seine Bräuche pflegt und optimistisch in die Zukunft blickt – das ist Schlichow.

Schlichow hat ein reiches Dorfleben.

Blick in die Zukunft

Die künftige Entwicklung Schlichows wird maßgeblich von der Uferlage am entstehenden Cottbuser Ostsee bestimmt. Derzeit muss man noch „auf den Damm klettern“, um den Wandel vom Tagebau zum See zu verfolgen. Wie das Areal künftig gestaltet sein wird, bleibt spannende Zukunftsmusik – doch eines steht fest: Schlichow wird seinen ländlichen Charme und seine lebendigen Traditionen bewahren, während es sich den neuen Herausforderungen und Möglichkeiten stellt.

Ein Dorf, das seine Geschichte ehrt, seine Bräuche pflegt und optimistisch in die Zukunft blickt – das ist Schlichow.


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