Vom Braunkohletagebau zum größten künstlich angelegten See Deutschlands
Der Cottbuser Ostsee (niedersorbisch: Chóśebuski pódzajtšny jazor) markiert einen der beeindruckendsten Strukturwandel in der Lausitz. Aus dem ehemaligen Braunkohletagebau Cottbus-Nord entsteht ein riesiges Gewässer – mit rund 1.900 Hektar (19 km²) Wasserfläche der größte künstlich angelegte See Deutschlands.
Historischer Hintergrund und Entstehung
Der Tagebau Cottbus-Nord lief von 1981 bis 2015 und förderte etwa 220 Millionen Tonnen Braunkohle. Nach dem Ende des Abbaus begann 2019 die Flutung mit Wasser aus der Spree. Rund fünfeinhalb Jahre später, im Dezember 2024, erreichte der See erstmals seinen Zielwasserstand von 62,5 Metern über Normalnull (NHN).
Etwa 80 % des Wassers stammen aus der Spree, der Rest aus Grundwasser. Das Volumen beträgt bei voller Füllung ca. 120–170 Millionen Kubikmeter (je nach Quelle und Porenfüllung im Untergrund). Die maximale Tiefe liegt bei etwa 30 Metern, die mittlere bei rund 8 Metern. Die Uferlinie misst insgesamt rund 26 Kilometer.
Die Flutung erfolgte schrittweise, vor allem in den Wintermonaten, um Konflikte mit anderen Wassernutzern zu minimieren. Auch nach Erreichen des Zielstands wird bei Bedarf Spreewasser nachgeführt, um Verdunstung und Versickerung auszugleichen.
Ziele und Bedeutung für die Region
Der Cottbuser Ostsee ist weit mehr als nur ein neues Gewässer. Er dient als zentrales Zukunftsprojekt für Cottbus/Chóśebuz und die gesamte Lausitz:
- Stadtentwicklung und Lebensqualität: Ein neues Stadtquartier in Wassernähe entsteht. Sport-, Freizeit- und Erholungsangebote sollen die Attraktivität von Cottbus als Wohn- und Arbeitsort steigern.
- Wirtschaft und Innovation: Der See verbindet Tourismus, Forschung und Wirtschaft. Als „Reallabor der Energiewende“ testet er nachhaltige Konzepte.
- Klimaschutz und Energie: Auf dem See steht Deutschlands größte schwimmende Photovoltaikanlage (Floating-PV) mit über 51.000 Modulen auf ca. 16 Hektar. Sie soll Strom für rund 8.000 Haushalte erzeugen.
- Tourismus: Der Ostsee ergänzt das Lausitzer Seenland und den Spreewald. Naturnahe Erholung trifft auf urbane Angebote aus Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft.
Das Projekt zeigt modellhaft, wie ehemalige Tagebaulandschaften in attraktive, klimafreundliche Regionen umgewandelt werden können.
Aktueller Stand und Herausforderungen (Stand 2026)
Der See ist gefüllt, aber noch eine „Baustelle“:
- Die Ufersicherung und Stabilisierung laufen weiter (Rutschungen müssen gesichert werden).
- Die Seeachse (Geh- und Radweg) verbindet die Cottbuser Innenstadt mit dem See – Bauabschnitte sind im Gange, Spatenstiche erfolgten.
- Öffentliche Nutzung (Baden, Bootfahren etc.) ist derzeit noch eingeschränkt und erfordert behördliche Freigaben.
- Die schwimmende Solaranlage hatte mit Wellenschlag zu kämpfen; Reparaturen und Anpassungen sind Thema.
Trotz dieser Herausforderungen erobert die Natur den See bereits: Fische aus der Spree haben sich angesiedelt, und Vogelarten sind zahlreich.
Was Sie heute schon erleben können
- Merzdorfer Aussichtsturm: Ein Highlight mit Panoramablick über den See.
- Erste Rad- und Wanderwege sowie gastronomische Angebote an zugänglichen Punkten.
- Die offizielle Plattform cottbuser-ostsee.de informiert laufend über Entwicklungen, Veranstaltungen (z. B. SEEgänge) und Beteiligungsmöglichkeiten.
Ausblick
Der Cottbuser Ostsee steht für Hoffnung und Aufbruch in der post-kohlezeitlichen Lausitz. Er schafft neue Perspektiven für Wohnen, Arbeiten, Erholen und Forschen – in einem ausgewogenen Mix aus Natur, Innovation und urbanem Leben. Die Anbindung an die Stadt und die schrittweise Freigabe für die Öffentlichkeit werden die nächsten großen Schritte sein.
Bürgerinnen und Bürger, Anrainer und Gäste sind eingeladen, den Prozess aktiv mitzugestalten. Die Transformation einer ehemaligen Mondlandschaft in ein lebendiges, attraktives Gewässer ist ein Generationenprojekt – und ein starkes Signal für den gelingenden Strukturwandel.
Bleiben Sie dran: Auf dieser Plattform finden Sie aktuelle News, Planungen und Möglichkeiten zur Beteiligung. Der Ostsee wächst – und mit ihm die Chancen für die ganze Region.


