Sommer, Sonne, Handwerkslärm: Während die Klassenzimmer im Sommer leer stehen, herrscht an den Cottbuser Schulen und Kitas Hochbetrieb. Die Stadt nutzt das knappe Zeitfenster der Sommerferien für einen Sanierungsmarathon – und plant gleichzeitig gigantische Großprojekte für die kommenden Jahre. Wir haben den aktuellen Baubericht für euch aufgeschlüsselt: Wo investiert Cottbus, wo klemmt es und was bedeuten die Zahlen für unsere Kinder?
Das 19-Millionen-Euro-Paket: Drei Großprojekte im Fokus
Wer glaubt, in den Schulen wird nur in den Ferien gemalt, der täuscht sich. Cottbus treibt aktuell drei riesige Bauvorhaben voran, die zusammen stolze 18,85 Millionen Euro kosten. Trotz einer bekanntermaßen knappen Haushaltskasse greift die Stadt tief in die eigene Tasche: Rund 9 Millionen Euro kommen als Eigenanteil direkt aus dem städtischen Budget, der Rest wird durch Fördergelder von Bund und Land finanziert.
- Grundschule Dissenchen (ca. 6 Mio. Euro): Hier hat die bauliche Erweiterung bereits begonnen. Die Schule wächst, um Platz für moderne Unterrichtsformen zu schaffen.
- Pädagogisches Zentrum für Natur und Umwelt – PZNU (ca. 2,85 Mio. Euro): Die beliebte Umweltbildungseinrichtung wird umfassend aufgewertet und vergrößert.
- Schmellwitzer Oberschule (ca. 10 Mio. Euro): Die Pläne für die Generalerneuerung und Erweiterung stehen fest. Finanziert über die Städtebauförderung, sollen hier im Sommer 2027 die Bagger anrollen.
Der Ferien-Sprint: Über 1 Million Euro in nur 5 Wochen
Wenn die Schülerinnen und Schüler im Urlaub sind, beginnt für die Handwerker ein Wettlauf gegen die Zeit. Insgesamt 1,05 Millionen Euro (750.000 Euro für Schulen, 300.000 Euro für Kitas) werden allein in diesen Sommerferien verbaut.
Das Problem dabei: Die Ferien dauern zwar sechs Wochen, das tatsächliche „Bauzeitenfenster“ ist jedoch viel kleiner. Oft bleiben den Firmen nur 4 bis 5 Wochen. Warum? Bevor die Schule wieder startet, müssen Trocknungszeiten eingehalten, die Räume gründlich endgereinigt und die Klassen für die neuen Schulanfänger vorbereitet werden. Ein logistischer Kraftakt!
Ein Auszug der wichtigsten Sommer-Baustellen:
- Christoph-Kolumbus-Grundschule: Hier entstehen dringend benötigte Teilungsräume (kleinere Räume für Gruppenunterricht) inklusive neuer Elektrik.
- Lutki-Grundschule: Ein alter Chemieraum wird zum modernen Klassenzimmer umgebaut; vier weitere Räume erhalten frische Farbe.
- Carl-Blechen-Grundschule: Einbau von Sonnenschutz (Verschattung) und sogenannten Schrammborden (robuste Schutzleisten an den Wänden, damit Stühle und Tische den Putz nicht beschädigen).
- Niedersorbisches Gymnasium: Hier wird das Sporthallendach saniert und die Heizungsanlage zukunftsfähig auf Fernwärme umgestellt.
- Kitas & Horte: In der Kita Siebenpunkt (Hans-Beimler-Straße) werden drei Bäder saniert, um Platz für die Erweiterung als Hortstandort zu schaffen. Die Kitas Kneipp Piraten, Frycho Rocha und Vier Jahreszeiten erhalten neue Wege, besseren Fallschutz auf den Spielplätzen oder moderne Sonnensegel.
Gute Nachrichten und ein Dämpfer für den Sport
Es gibt feste Meilensteine, auf die sich Familien freuen können: Noch Ende dieses Jahres (2026) wird die neue Spezialsporthalle für Trampolinturnen an der Lausitzer Sportschule fertiggestellt. Und im Sommer 2027 folgt die feierliche Übergabe der komplett sanierten Kita Pfiffikus in Sandow.
Wo viel Licht ist, gibt es leider auch Schatten: Die Stadt Cottbus hatte sich um Gelder aus dem Bundesprogramm „Sportmilliarde“ beworben, um an der Spreeschule (Förderschule) in Sandow eine neue Parasporthalle als Ersatzneubau zu errichten. Dieser Antrag wurde im Januar leider abgelehnt. Die Folge: Der geplante Baubeginn für 2027 wackelt, da die Finanzierung nun neu sortiert werden muss. Die Stadt sucht intensiv nach alternativen Fördertöpfen.
Warum das alles nötig ist: Der Kampf gegen den Sanierungsstau
Hinter den Kulissen läuft die Arbeit das ganze Jahr über weiter. Neben den großen Projekten gibt Cottbus jährlich 4,4 Millionen Euro für die reine Bauunterhaltung aus (3 Mio. Euro für Schulen/Hallen, 1,4 Mio. Euro für Kitas/Horte). Daraus entstehen bis zu 2.000 Einzelaufträge für regionale Handwerker – vom tropfenden Wasserhahn bis zur kaputten Steckdose. Ein wichtiger Motor für die Wirtschaft in und um Cottbus!
Fazit: Der Bericht macht deutlich, dass Cottbus alles daransetzt, den historischen Sanierungsstau an Schulen und Kitas abzubauen. Moderne Kreidetafeln waren gestern – heute braucht es barrierefreie Hallen, Schallschutz in den Fluren (wie jetzt in der Sportbetonten Grundschule) und digitale Infrastruktur. Weil das die Stadtkasse allein niemals stemmen könnte, bleibt Cottbus auch in Zukunft vom „Fördermittel-Lotto“ der EU, des Bundes und des Landes Brandenburg abhängig. Jeder Euro, der hier investiert wird, ist jedoch eine direkte Investition in die Zukunft unserer Kinder.
