Wenn von Fürst Hermann von Pückler-Muskau die Rede ist, denken viele zunächst an den berühmten Landschaftsgestalter, Schriftsteller und Weltreisenden. Weniger bekannt ist jedoch die Frau, die ihn über viele Jahrzehnte begleitete und maßgeblich unterstützte: Fürstin Lucie von Pückler-Muskau (1776–1854). Genau ihr widmet sich die Sonderausstellung „Die Dame/n des Hauses. Eine Spurensuche“ im Schloss Branitz.
Bereits ihre Zeitgenossen beschrieben Lucie als außergewöhnliche Persönlichkeit. Der Naturforscher Alexander von Humboldt würdigte sie mit den Worten „Intelligenz und Gefühl“ – eine treffende Charakterisierung einer Frau, die Bildung, diplomatisches Geschick und menschliche Wärme miteinander verband. Im Laufe ihres Lebens trug sie verschiedene Namen und Titel: geboren als Lucie von Hardenberg, später Gräfin von Pappenheim und schließlich Fürstin von Pückler-Muskau. Die Ausstellung zeigt eindrucksvoll, dass sich hinter diesen verschiedenen Bezeichnungen stets dieselbe bemerkenswerte Frau verbirgt.
Als Hermann von Pückler Lucie 1815 in Berlin kennenlernte, begann eine außergewöhnliche Partnerschaft. Lucie war weit mehr als seine Ehefrau. Sie war Vertraute, Beraterin und Organisatorin und unterstützte ihn bei zahlreichen Projekten. Selbst nach ihrer Scheidung – die vor allem aus finanziellen Gründen erfolgte – blieben beide eng verbunden und arbeiteten weiterhin zusammen. Diese ungewöhnliche Beziehung zählt bis heute zu den spannendsten Kapiteln ihrer gemeinsamen Geschichte.
Nach dem Verkauf der Standesherrschaft Muskau begann Hermann in Branitz einen neuen Lebensabschnitt. Auch Lucie stellte sich dieser Herausforderung. Mit fast 70 Jahren zog sie nach Branitz und half dabei, den neuen Wohnsitz und den Schlossbetrieb mit aufzubauen. Dass sie in diesem Alter noch einmal einen vollständigen Neuanfang wagte, unterstreicht ihre Tatkraft und ihren außergewöhnlichen Charakter.
Die Ausstellung macht diese Persönlichkeit anhand zahlreicher originaler Exponate erlebbar. Zu sehen sind elegante Möbel aus ihrem Besitz, kunstvolle Asiatika aus dem Umfeld der Pücklers sowie eine Vielzahl historischer Briefe. Gerade diese Korrespondenz eröffnet einen faszinierenden Blick auf Lucies Gedankenwelt, ihren Alltag und ihre zentrale Rolle innerhalb des Hauses Pückler.
Der Titel „Die Dame/n des Hauses“ verweist jedoch nicht nur auf Lucie. Nach ihrem Tod lebten weitere Frauen im Schloss Branitz und prägten dessen Geschichte. Stellvertretend dafür wird unter anderem Louise Isabelle de Constant Rebecque vorgestellt. Dadurch erweitert die Ausstellung den Blick auf die Frauen, die oft im Hintergrund wirkten, deren Einfluss auf das Leben in Branitz jedoch nicht zu unterschätzen ist.
Die Sonderausstellung verfolgt damit einen spannenden Ansatz: Sie rückt bewusst jene Persönlichkeiten in den Mittelpunkt, die in der Geschichtsschreibung lange hinter dem berühmten Fürsten standen. Besucher entdecken nicht nur die Lebensgeschichte einer außergewöhnlichen Frau, sondern erhalten zugleich einen neuen Blick auf Schloss Branitz und seine Bewohnerinnen. Wer die Geschichte des Hauses Pückler verstehen möchte, kommt an Lucie von Pückler-Muskau und den „Damen des Hauses“ nicht vorbei.
