Weichenstellung im Lausitzer Strukturwandel: Lausitz Science Park GmbH
Am 1. Juli 2026 ist ein entscheidender Meilenstein für die Zukunft der Lausitz erfolgt: Die offizielle Gründung der „Lausitz Science Park GmbH“ (LSP GmbH). Was nach bürokratischem Akt klingt, ist der Startschuss für eines der größten ostdeutschen Strukturprojekte nach dem Kohleausstieg. Doch was steckt konkret dahinter – und wie realistisch sind die enormen Erwartungen?
Ein Mammutprojekt sucht seine Struktur
Die neue Gesellschaft wird künftig den Aufbau und Betrieb des geplanten Lausitz Science Parks koordinieren. Das Gelände ist kein unbekanntes: Es handelt sich um den ehemaligen Flugplatz Cottbus-Nord. Mehr als ein Jahrzehnt lang hatte sich die lokale Entwicklungsgesellschaft EGC bemüht, das riesige Areal schrittweise zu reaktivieren – ein zähes Unterfangen, da einer regionalen Wirtschaftsförderung oft die Hebel für ein Projekt dieser Dimension fehlen.
Das ändert sich jetzt fundamental. Die LSP GmbH bündelt drei mächtige Partner als Gesellschafter:
- Die Stadt Cottbus, die die riesigen Flächen (rund 420 Hektar) einbringt.
- Die BTU Cottbus-Senftenberg, die für die wissenschaftliche Exzellenz und den klugen Nachwuchs sorgt.
- Die Berliner WISTA Management GmbH – und sie ist der eigentliche Trumpf. Die WISTA hat bereits den Wissenschafts- und Technologiepark Berlin-Adlershof aus dem Boden gestampft, der heute als einer der erfolgreichsten Innovationsstandorte Europas gilt.
Vom Reißbrett in die Realität
Bislang existiert der Science Park vor allem auf dem Papier und in den Köpfen. Die neu gegründete GmbH schafft nun die rechtliche und organisatorische Basis, um das Gelände baureif zu machen, Altlasten zu beseitigen, gezielt internationale Investoren zu jagen und die Brücke zwischen Forschung und Industrie zu schlagen.
Dabei geht es nicht um vage Ideen, sondern um die Boom-Branchen der Zukunft. Geforscht und entwickelt werden soll in vier Kernbereichen:
- Energiewende und Dekarbonisierung (wie werden wir unabhängig von fossilen Brennstoffen?)
- Künstliche Intelligenz und Sensorik
- Gesundheit und Life Sciences (eng verzahnt mit der neuen Universitätsmedizin Cottbus)
- Globaler Wandel und grüne Transformation (u.a. CO2-arme Industrieprozesse und alternative Antriebe)
Mit 420 Hektar – das entspricht über 580 Fußballfeldern – verfügt Cottbus über einen unschätzbaren Vorteil: Platz. In Kombination mit der direkten Nähe zur BTU können Forschungsergebnisse theoretisch direkt neben dem Hörsaal in die industrielle Produktion gehen.
Die Gretchenfrage: Wie realistisch ist der Erfolg?
Die Politik feiert das Projekt als „Leuchtturm“ des Strukturwandels. Und tatsächlich stehen die Chancen durch die WISTA-Expertise und die Milliardenhilfen des Bundes für die Lausitz so gut wie nie zuvor. Die drei Gesellschafter haben zudem die Finanzierung der GmbH für die ersten fünf Jahre vertraglich abgesichert, unterstützt durch das Land Brandenburg.
Dennoch ist eine gesunde Portion Realismus angebracht. Ein neuer Technologiepark entsteht nicht über Nacht. Das Vorbild Berlin-Adlershof brauchte Jahrzehnte, um seine heutige Strahlkraft zu entwickeln. Auch in Cottbus wird es mindestens ein bis zwei Jahrzehnte dauern, bis die Flächen voll besiedelt sind.
Der Erfolg hängt am Ende nicht von Absichtserklärungen oder feierlichen GmbH-Gründungen ab, sondern von der harten wirtschaftlichen Realität: Schafft es die neue Betreibergesellschaft, namhafte Unternehmen dauerhaft in die Lausitz zu locken? Finden diese Unternehmen in Zeiten des Fachkräftemangels genügend Experten, die nach Cottbus ziehen wollen?
Ausblick
Die Gründung der LSP GmbH zum 1. Juli 2026 beendet die Phase des unkoordinierten Abwartens. Erstmals gibt es eine professionelle Struktur mit erfahrenen Managern an der Spitze, um das Projekt systematisch voranzutreiben. Der Grundstein für die Post-Kohle-Ära ist gelegt – ob der Leuchtturm am Ende hell leuchtet oder glimmt, entscheidet sich in den kommenden Jahren auf den Baustellen von Cottbus-Nord.
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