Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus & Menschenrechtszentrum
Ein Ort des Erinnerns, des Gedenkendes und des Lernens – Vom Repressionsinstrument zweier Diktaturen zum Haus der Menschenrechte.
Überblick & Bedeutung
Die Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus ist einer der eindringlichsten Lern- und Erinnerungsorte Brandenburgs. Auf dem rund 22.000 m² großen Areal des ehemaligen Zentralgefängnisses wird die düstere Geschichte politischer Verfolgung im Nationalsozialismus und in der DDR hautnah erfahrbar. Heute wird das Areal vom Trägerverein Menschenrechtszentrum Cottbus e. V. betrieben, der den Ort in ein lebendiges Zentrum für Bildung, Demokratie und Menschenrechte verwandelt hat.
Historischer Rückblick: Von der Königlichen Preußischen Strafanstalt zum DDR-Polizeigefängnis
- 1860 (Eröffnung): Nach dreijähriger Bauzeit als Königliche Preußische Strafanstalt in Betrieb genommen.
- Nationalsozialismus (1933–1945): Nutzung als Jugendgefängnis und Frauenzuchthaus. Die Anstalt war wichtiger Teil der NS-Repressionsmaschinerie zur Verfolgung politischer und gesellschaftlicher Gegner.
- Kriegsende & Wiederaufbau: Bei den Luftangriffen am 15. Februar 1945 schwer beschädigt, folgten zwischen 1949 und 1951 umfangreiche Reparaturen.
- DDR-Diktatur (1949–1989):
- 17. Juni 1953: Während des Volksaufstands kam es hier zu einer mutigen Häftlingsrevolte.
- Symbol des Häftlingsfreikaufs: Cottbus entwickelte sich zum zentralen Vollzugsort für politische Gefangene in der DDR – insbesondere für Ausreisewillige, Regimekritiker, Fluchthelfer und Menschenrechtsaktivisten.
- Symbolischer Protest: Am 19. Oktober 1978 verbrannte sich der junge DDR-Flüchtling Werner Greifendorf während eines Hofgangs aus Protest gegen die Verweigerung seiner Ausreise.
- Überwachung: Noch 1983 saßen hier 446 politische und 94 kriminelle Gefangene ein, bewacht von über 200 Wärterinnen/Wärtern sowie Dutzenden Inoffiziellen Mitarbeitern (IM) der Stasi.
- Nachwendezeit & Schließung: Nach der Wiedervereinigung diente das Areal vorübergehend weiter als Justizvollzugsanstalt, bevor das Gefängnis 2002 geschlossen wurde und die Häftlinge in die neue JVA Cottbus-Dissenchen umzogen.
Ausstellungen & Highlights auf dem Gelände
Das Freigelände und die historischen Gebäude bieten Besuchern erschütternde und zugleich lehrreiche Einblicke:
1. Dauerausstellung: „Karierte Wolken – Politische Haft im Zuchthaus Cottbus“
Die Hauptausstellung im historischen Zellentrakt zeigt eindrucksvoll den Alltag, die Verhöre, Schikanen und Einzelschicksale der politischen Gefangenen in der DDR.
2. Dauerausstellung: „Vergangen, nicht vergessen – Das Zuchthaus Cottbus im Spiegel der Zeiten“
16 Stelen und Objektwürfel im Freigelände führen chronologisch durch die verschiedenen Epochen der Anlage von 1860 bis zur Gegenwart.
3. Dauerausstellung zur NS-Zeit (Neueröffnung 2024)
Diese von Historikern aufwendig recherchierte Ausstellung beleuchtet die Rolle der Haftanstalt während des Nationalsozialismus und zeigt auf, wie das Regime Andersdenkende und Verfolgte systematisch ausgrenzte und inhaftierte.
4. Rekonstruierter „Tigerkäfig“ & Außenanlagen
Im Außenbereich befindet sich u. a. ein rekonstruierter Tigerkäfig – ein Isolationskäfig für sogenannte „besserungsunwillige“ Häftlinge –, der Wachturm sowie die historische Zwangsarbeitshalle und die Hafthmauer.
Bildungsangebote, Veranstaltungen & Engagement
Das Menschenrechtszentrum veranstaltet regelmäßig Kultur- und Bildungsangebote:
- Zeitzeugengespräche & Schülerworkshops: Klassen und Gruppen können direkt mit ehemaligen politischen Gefangenen ins Gespräch kommen.
- Veranstaltungen: Jährliches Freiheits- und Demokratiefest, Teilnahme an der Nacht der kreativen Köpfe sowie Open-Air-Kulturveranstaltungen (wie die Aufführung von Beethovens Oper Fidelio).
- Forschung: Das Zentrum beteiligt sich an bundesweiten Forschungsverbünden zur DDR-Aufarbeitung (z. B. Landschaften der Verfolgung) und dokumentiert kontinuierlich Schicksale politischer Verfolgung in der Region.
- Internationales Engagement: Über die lokale Erinnerungsarbeit hinaus engagiert sich der Trägerverein in humanitären Hilfsprojekten (z. B. Unterstützung von Flüchtlingen und Minderheiten im Nordirak).
Besucherinformationen
- Adresse: Bautzener Straße 140, 03050 Cottbus
- Zielgruppe: Einzelbesucher, Familien, Historisch Interessierte, Schulklassen und Studiengruppen.
- Angebote: Führungen (auf Anfrage auch mit Zeitzeugen), Audioguides, pädagogisches Begleitmaterial für Schulen.
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