Sulfat in der Spree: Sensoren statt Reagenzglas
Wer in Berlin, Frankfurt (Oder) oder entlang der Spree den Wasserhahn aufdreht, erwartet einwandfreies Trinkwasser. Wenn es heißt, Laborproben auf Sulfat würden reduziert, kommt schnell die Frage auf: Wird hier am falschen Ende gespart? Die Antwort lautet nein. Die Überwachung ändert sich, aber sie hört nicht auf.
Woher das Sulfat kommt
Jahrzehntelang wurde in der Lausitz Braunkohle abgebaut, und dafür wurde das Grundwasser abgepumpt. Dabei kam Pyrit (Schwefelkies) im Boden mit Luft in Kontakt und verwitterte. Seit das Grundwasser wieder steigt, spült es diese Stoffe als Sulfat und Eisen in die Spree. Das wird auch nach dem Kohleausstieg noch viele Jahre so weitergehen.
Wie jetzt gemessen wird
Früher wurden Wasserproben meist von Hand genommen und ins Labor geschickt. Heute messen automatische Stationen im Fluss rund um die Uhr die elektrische Leitfähigkeit. Sie zeigt, wie viele Salze im Wasser gelöst sind. Weil Sulfat in der Spree den größten Teil davon ausmacht, lässt sich die Sulfatmenge daraus gut abschätzen. Der Vorteil: Behörden und Wasserwerke sehen Veränderungen sofort statt erst Tage später. Ganz ohne Labor geht es trotzdem nicht. Stichproben bleiben nötig, um die Umrechnung zu überprüfen und Stoffe wie Eisen zu erfassen, die der Sensor nicht erkennt.
Warum die Werte wichtig sind
Sulfat ist nicht giftig. In größeren Mengen kann es aber den Geschmack verändern, bei Säuglingen und empfindlichen Menschen abführend wirken und Beton angreifen, zum Beispiel an Brücken, Schleusen oder Leitungen. Die Trinkwasserverordnung erlaubt deshalb höchstens 250 mg/l im Trinkwasser. Für den Fluss gelten eigene, gestaffelte Richtwerte: 450 mg/l bei Spremberg, 280 mg/l bei Neubrück vor dem Wasserwerk Briesen in Frankfurt (Oder) und 220 mg/l bei Rahnsdorf vor dem Berliner Wasserwerk Friedrichshagen. Beide Städte gewinnen einen Teil ihres Trinkwassers aus der Spree oder aus Uferfiltrat. Das ist Flusswasser, das durch den Boden am Ufer sickert und dabei gereinigt wird.
Wie gegengesteuert wird
Steigen die Werte, wird vor allem mit Verdünnung gearbeitet. Talsperren und gefüllte Bergbauseen geben je nach Bedarf mehr oder weniger Wasser ab. Die Wasserwerke mischen zusätzlich Rohwasser aus weniger belasteten Quellen bei. In langen Trockenperioden wird das schwieriger, weil dann weniger Wasser zum Verdünnen da ist. Eine bezahlbare Technik, um Sulfat in großem Maßstab aus dem Wasser zu holen, gibt es bisher nicht.
Zusammengefasst
Der Wechsel vom Reagenzglas zum Sensor ist kein Rückzug aus dem Gewässerschutz. Die Spree wird dadurch dichter und schneller überwacht, und Laborkontrollen sichern die Messungen weiterhin ab. Das Trinkwasser bleibt sicher. Das eigentliche Problem, die Sulfatbelastung durch den Bergbau, ist damit aber noch nicht gelöst.
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