GesundheitNewsPolitik

Neue hausärztliche Übergangsversorgung in Cottbus

Die Kassenärztliche Vereinigung Brandenburg (KVBB) richtet in Cottbus erstmals eine eigene Hausarztpraxis ein – eine sogenannte „Eigeneinrichtung“. Ziel ist es, akute Versorgungslücken kurzfristig zu schließen und bestehende Praxen in Stadt und Umland zu entlasten.

Warum die Einrichtung nötig ist

Cottbus, die rund 100.000 Einwohner zählende Universitäts- und Industriestadt der Lausitz, kämpft mit einem spürbaren Rückgang der hausärztlichen Versorgung: Die Zahl der Hausarztsitze sank seit 2021 von 90 auf 79. Aktuell sind rund 10.500 Patientinnen und Patienten ohne eigene Hausarztpraxis. Verschärfend kommt hinzu, dass fast die Hälfte der niedergelassenen Hausärzte in Cottbus bereits 60 Jahre oder älter ist – Nachfolgeregelungen sind also absehbar das nächste große Problem. Auch die Notaufnahme des Carl-Thiem-Klinikums sowie die ärztliche Bereitschaftspraxis verzeichnen bereits ein erhöhtes Patientenaufkommen.

Der Entscheidung gingen intensive Gespräche mit Haus- und Kinderärzten vor Ort sowie detaillierte Versorgungsanalysen voraus. Nach eigenen Angaben hat die KVBB rund eineinhalb Jahre lang versucht, die Situation über andere Wege – etwa Fördermittel aus Strukturfonds – zu lösen, ohne durchschlagenden Erfolg.

Was die neue Praxis leistet – und was nicht

Die Einrichtung ist als „hausärztliche Übergangsversorgung“ konzipiert und richtet sich gezielt an Akut- und Notfallpatienten, die kurzfristig Hilfe brauchen – etwa, weil dringend Medikamente verordnet werden müssen. Ausdrücklich nicht angeboten werden Hausbesuche und Vorsorgeuntersuchungen. Die Praxis ist also keine vollwertige Dauerpraxis, sondern soll bestehende Praxen entlasten, nicht mit ihnen konkurrieren. Wo genau die Praxis entstehen und mit welchem Personal sie arbeiten wird, hat die KVBB bislang noch nicht mitgeteilt.

Zeitrahmen

Die Eröffnung ist für die kommenden Monate geplant, der Betrieb ist zunächst bis zum 31. Dezember 2028 befristet – also für rund zwei Jahre. Die KVBB versteht das Angebot ausdrücklich als Brücke, bis sich die hausärztliche Versorgung in Cottbus und im Umland wieder stabilisiert hat. Es handelt sich um den ersten Schritt dieser Art in Brandenburg.

Eingebettet in ein größeres Maßnahmenpaket

Die Übergangspraxis steht nicht allein: Parallel hat die Stadt Cottbus ein eigenes Förderpaket aufgelegt, um niederlassungswillige und bereits ansässige Ärztinnen und Ärzte zu unterstützen – unter anderem mit Mitteln für die Ausstattung neu gegründeter oder übernommener Praxen. Mittelfristig soll zudem die neu gegründete Medizinische Universität Lausitz – Carl Thiem beim Aufbau von ärztlichem Nachwuchs in der Region helfen.

Fazit für Patienten

  • Wer keinen festen Hausarzt hat, bekommt eine Anlaufstelle für akute Fälle.
  • Bestehende Praxen werden bei Belastungsspitzen entlastet.
  • Die Lösung ist ausdrücklich zeitlich befristet und soll keine dauerhafte Parallelstruktur schaffen.

Die Übergangsversorgung schließt damit eine konkrete, zeitlich begrenzte Lücke – während langfristige Maßnahmen wie Praxisnachbesetzungen, Förderprogramme und der Ausbau der ärztlichen Ausbildung parallel weiterlaufen müssen, um die reguläre Versorgung dauerhaft zu sichern.




Der Cottbus-Newsletter

Keine Lust auf vollgemüllte Postfächer und belanglosen Mail-Spam? Verständlich.
Genau deshalb liefert dir dieser Newsletter einmal pro Woche nur das,
was einen Cottbuser interessiert – kompakt, verständlich und kostenlos.

Schreibe einen Kommentar

×
⚡ Cached with atec Page Cache