Geschichte des Cottbuser OstseesOstseenachrichten

Cottbuser Ostsee: Sinkender Pegel – kein Alarmsignal!

Zwischen April und Ende August 2026 ist der Wasserstand des Cottbuser Ostsees um rund 30 Zentimeter gefallen: von etwa 62,6 auf 62,3 Meter über Normalhöhennull (NHN). Dokumentiert hat das die Bundestagsabgeordnete Andrea Lübcke (Bündnis 90/Die Grünen) gemeinsam mit der Umweltgruppe Cottbus der Grünen Liga bei einer Begehung am See.

Kein Grund zur Sorge – auch kein Beweis für irgendetwas

Der Rückgang liegt im geplanten Rahmen. Der Zielwasserstand des Sees beträgt 62,5 Meter NHN, laut Informationstafel der LEAG mit einer Toleranz von plus/minus einem halben Meter – also einem Korridor von etwa 62,0 bis 63,0 Metern NHN. Mit 62,3 Metern bewegt sich der See weiterhin innerhalb dieses Bandes. Dass der Pegel im Sommer sinkt und im Winter bei ausreichender Wasserführung wieder gestützt wird, ist von Anfang an eingeplant.

Über fünf Millionen Kubikmeter – aber nur auf dem Papier

Bei einer Wasserfläche von rund 18,7 Millionen Quadratmetern entsprechen 30 Zentimeter Pegelverlust rechnerisch gut 5,6 Millionen Kubikmetern Wasser. Diese Zahl ist jedoch eine grobe Näherung: Die Seefläche verändert sich mit dem Pegelstand, und die beiden Messwerte stammen nicht zwingend von identischen Messbedingungen. Die Rechnung sagt außerdem nichts darüber aus, wie sich der Verlust auf Verdunstung, Versickerung und andere Effekte verteilt.

Als Hauptursachen kommen die sommerliche Verdunstung sowie die fortlaufende Versickerung in Frage. Der Untergrund des ehemaligen Tagebaus ist noch nicht vollständig mit Wasser gesättigt, sodass weiterhin Wasser in die Kippenbereiche abfließt. Wie groß die jeweiligen Anteile tatsächlich sind, lässt sich aus den veröffentlichten Pegelwerten nicht ableiten – dafür wären eine belastbare Wasserbilanz sowie Daten zu Niederschlag, Zuflüssen, Verdunstung und Grundwasser nötig.

Speichersee für die Spree? Noch nicht beschlossen

Der Cottbuser Ostsee entstand ursprünglich vor allem als Tagebaufolgesee mit touristischer und naturschutzfachlicher Zweckbestimmung. Die Flutung begann im April 2019; am 23. Dezember 2024 wurde der Zielwasserstand erstmals erreicht. Insgesamt sind seither rund 183 Millionen Kubikmeter Spreewasser eingeleitet worden, zuletzt im Winter 2025/26 im Rahmen einer zweiten Stützungsflutung mit weiteren 9,5 Millionen Kubikmetern.

Seit Jahren wird zusätzlich diskutiert, den See künftig aktiv als wasserwirtschaftlichen Speicher für die Spree zu nutzen: In wasserreichen Phasen könnte Wasser eingeleitet, in Trockenzeiten wieder abgegeben werden. Im Gespräch sind dafür Größenordnungen von bis zu fünf Kubikmetern pro Sekunde bei der Einleitung und bis zu zwei Kubikmetern pro Sekunde bei einer späteren Abgabe. Das sind grobe technische Richtwerte, keine garantierten Mengen – maßgeblich blieben die tatsächliche Wasserführung der Spree, Rechte anderer Nutzer, ökologische Mindestanforderungen und die wasserrechtliche Genehmigung.

Entscheidend ist die nutzbare Reserve, nicht das Gesamtvolumen

Ob der See als Speicher taugt, hängt nicht am Gesamtvolumen, sondern an der tatsächlich nutzbaren Wassermenge. Davon müssen unter anderem abgezogen werden: Verdunstungsverluste, Versickerung in den noch ungesättigten Untergrund, ein Mindestwasserstand zum Schutz von Ufern und Natur, Sicherheitsreserven für Starkregen und Hochwasser, technische Grenzen des Ein- und Auslaufbauwerks sowie Wassermengen, die wegen niedriger Spree-Abflüsse gar nicht entnommen werden dürften. Ein sommerlicher Pegelverlust von 30 Zentimetern bedeutet daher nicht automatisch, dass exakt diese Menge zusätzlich bevorratet werden müsste oder komplett verloren ist. Belastbare Aussagen zur Verlässlichkeit des Sees in Trockenjahren ließe erst eine mehrjährige Wasserbilanz zu.

Zeitdruck durch das Auslaufbauwerk

Eine zentrale offene Frage betrifft das geplante Auslaufbauwerk zum Schwarzen Graben, das künftig die Verbindung zum regionalen Gewässernetz herstellen soll. Die LEAG plant den Bau für 2027. Soll der See später tatsächlich als bewirtschafteter Speicher dienen, müsste das Bauwerk von Anfang an entsprechend ausgelegt sein – etwa hinsichtlich Abgabeleistung, Steuerung bei unterschiedlichen Wasserständen, Hochwasserschutz, ökologischer Verträglichkeit sowie Finanzierung und Unterhalt. Wird zunächst nur eine einfache Ableitung gebaut, drohen spätere Nachrüstungen teuer zu werden. Das Land Brandenburg sollte deshalb vor Baubeginn verbindlich klären, welche Funktion der See künftig erfüllen soll.

Mehr Transparenz wäre hilfreich

Für eine sachliche Bewertung fehlen bislang laufend aktualisierte, öffentlich zugängliche Daten zu Wasserstand, Seefläche, Volumen, Zu- und Abflüssen sowie den geltenden Einleitungs- und Entnahmemengen. Aktuell hält vor allem die LEAG punktuelle Angaben auf einer Informationstafel am See sowie auf ihrer Projektseite fest; eine durchgehende, laufend gepflegte öffentliche Pegelreihe existiert bislang nicht.

Fazit: Der sinkende Wasserstand ist kein Warnsignal, sondern normaler saisonaler Verlauf. Er zeigt aber, wie viele Fragen zur möglichen Speicherfunktion des Cottbuser Ostsees noch offen sind – fachlich, wirtschaftlich und planerisch. Entscheidend wird sein, wie viel Wasser nach Verdunstung, Versickerung und ökologischen Mindestanforderungen in trockenen Sommern realistisch für die Spree zur Verfügung stünde, und nicht allein, wie groß der See auf dem Papier ist.




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