Geschichte des Cottbuser OstseesOstseenachrichten

Tote Bäume im Cottbuser Ostsee: Rodung oder Lebensraum?

Am Süd- und Südwestufer des Cottbuser Ostsees, besonders zwischen dem Merzdorfer Aussichtsturm und Schlichow, ragen zahlreiche abgestorbene Bäume aus dem Wasser. Das sieht nach einer unfertigen Sanierung aus. Ein Teil dieser Bäume könnte aber sinnvollerweise bleiben.

Ein See, der noch wächst

Der Ostsee entsteht im ehemaligen Braunkohletagebau Cottbus-Nord, in dem bis Ende 2015 Kohle gefördert wurde. Seit April 2019 wird er mit Wasser aus der Spree geflutet. Am 23. Dezember 2024 erreichte er erstmals seinen Zielwasserstand von 62,5 Metern über Normalhöhennull. Seitdem ruht die Flutung vorerst. Fertig ist sie damit aber nicht.

Bisher flossen rund 173 Millionen Kubikmeter Spreewasser in den See, obwohl er selbst nur etwa 121 Millionen Kubikmeter fasst. Der Grund dafür ist, dass viel Wasser im lockeren Boden des ehemaligen Tagebaus versickert und dessen Hohlräume füllt. Dafür werden noch einmal etwa 50 Millionen Kubikmeter benötigt. Mit rund 19 Quadratkilometern wird der Ostsee einer der größten künstlichen Seen Deutschlands. Er ist dabei überwiegend flach, im Schnitt nur etwa zwei bis drei Meter tief.

Woher die Bäume kommen

Zwischen dem Ende des Kohleabbaus und der Flutung lag der Seeboden jahrelang trocken. Weil die Flutung wegen Dürrejahren immer wieder unterbrochen werden musste, wuchsen dort Birken, Kiefern und andere Pioniergehölze. Nicht alle wurden vor dem Wasseranstieg entfernt. Der oft genannte „Unterwasser-Wald“ ist deshalb kein versunkener Wald, sondern überfluteter junger Bewuchs, der nach und nach abstirbt.

Wertvoll für die Natur, gefährlich für Menschen

Totholz im Wasser bietet Fischen, Insekten, Vögeln und Kleinstlebewesen Verstecke, Brutplätze und Nahrung. In einem jungen, noch eintönigen See schafft es dringend benötigte Strukturen.

Für Schwimmer, Surfer und Boote sind Stämme knapp unter der Wasseroberfläche jedoch eine echte Gefahr, zumal der See flach ist. Hinzu kommen abbrechende Äste und umstürzende Bäume.

Noch nichts entschieden

Die Beräumung des Seebodens war zuletzt in Planung. Welche Bäume tatsächlich entfernt werden, hängt von Genehmigungen, der künftigen Nutzung der Ufer und Sicherheitsbewertungen ab. Zudem ist der See noch nicht überall zugänglich. Uferrutschungen, etwa 2023 am Lärmschutzdamm Schlichow, und Abtragungen durch Wellenschlag machen weitere Sicherungsarbeiten bis voraussichtlich 2027 nötig.

Die beste Lösung: abschnittsweise entscheiden

Die Frage lautet nicht „Rodung oder Naturschutz“. Sinnvoll ist eine Lösung je nach Abschnitt. An Badestellen, Stränden und in Fahrrinnen sollten gefährliche Stämme entfernt werden. In abgelegenen oder gesperrten Bereichen können die Bäume als Lebensraum bleiben. Dazu gehören klar markierte Sperrzonen, aktuelle Warnhinweise und öffentlich einsehbare Gutachten.

Die toten Bäume sind damit weder bloßes Überbleibsel des Bergbaus noch grundsätzlich ein Hindernis. Sie zeigen, dass am Ostsee Natur, Sanierung und Sicherheit gemeinsam abgewogen werden müssen.




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