DestinationKulturStadtführer

Wendisches Museum Cottbus

Sorbische Kultur und Geschichte in der Niederlausitz

Mitten in der Cottbuser Altstadt befindet sich ein Museum, das eine Kultur sichtbar macht, die die Lausitz seit Jahrhunderten prägt: das Wendische Museum/Serbski muzej in der Mühlenstraße 12. Es widmet sich der Geschichte, Sprache, Kunst und Lebensweise der Sorben/Wenden (*) in der Niederlausitz und gehört damit zu den wichtigsten kulturellen Einrichtungen der Region.

Die heutige Dauerausstellung wurde 2020 neu gestaltet. Sie verbindet historische Zeugnisse mit Einblicken in die Lebenswelt der Sorben (*)/Wenden (*) und zeigt, wie lebendig diese Kultur bis heute ist. Zu den besonderen Schwerpunkten gehören Trachten, Brauchtum, Sprache, Literatur, Musik, bildende Kunst und Volkskunst. Auch die Veränderungen der sorbisch/wendischen Lebenswelt und die Gefährdung von Sprache, Heimat und Identität werden thematisiert.

Ein Museum für die niedersorbische Kultur

Das Wendische Museum ist kein klassisches Heimatmuseum im engeren Sinne. Es versteht sich als kulturhistorisches Spezialmuseum zur Geschichte und Gegenwart der Sorben (*)/Wenden in der Niederlausitz.

Besonders bekannt ist das Museum für seine umfangreiche niedersorbische Trachtensammlung, die als größte ihrer Art gilt. Zu sehen sind unter anderem zahlreiche Trachten aus dem Spreewald. Die Kleidungsstücke sind dabei weit mehr als historische Kostüme: Farben, Stickereien, Formen und Schmuck geben Auskunft über Herkunft, Lebensabschnitt, Familienstand und Anlass.

Neben den Trachten vermitteln zahlreiche weitere Exponate ein Bild des sorbisch/wendischen Alltags. Themen sind unter anderem:

  • Sprache und niedersorbisches Schrifttum
  • Literatur und Musik
  • Volkskunst und bildende Kunst
  • traditionelle Bräuche und Lebensweisen
  • Münzen und Orden
  • Postgeschichte
  • historische Dokumente und Fotografien

Damit spannt die Ausstellung einen Bogen von den historischen Wurzeln bis zur Gegenwart.

Die Geschichte des Museums reicht bis 1907 zurück

Die Geschichte des heutigen Museums beginnt nicht erst mit seiner Eröffnung 1994.

Bereits 1907 regte der damalige Cottbuser Bürgermeister Dr. Adolf von Varnhagen gegenüber dem sorbischen beziehungsweise wendischen Pfarrer Gotthold Schwela die Einrichtung eines Wendischen Museums an. 1908 wurden dafür 500 Mark im städtischen Haushalt bereitgestellt. Im damaligen Cottbuser Heimatmuseum entstand eine „Wendische Bauernstube“, die die Kultur der regionalen sorbischen Bevölkerung präsentierte.

Diese frühe Sammlung bestand bis in die Zeit des Nationalsozialismus. Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Sammlung ausgelagert; ein großer Teil des wendischen Sammlungsgutes ging verloren. Damit war ein erheblicher Teil des frühen musealen Erbes unwiederbringlich verloren.

Neue Ansätze nach dem Zweiten Weltkrieg

Nach dem Krieg gab es erneut Bemühungen, die sorbische Kultur in Cottbus museal zu präsentieren. Bereits von 1952 bis 1956 wurde im Erdgeschoss von Schloss Branitz eine „Ausstellung zur Geschichte und Kultur der Sorben“ gezeigt.

In der DDR wurde diese Entwicklung später wieder aufgegriffen. 1980 entstand im Schloss Branitz ein Museum für niedersorbisches Schrifttum. Zunächst war es als ständige Ausstellung konzipiert, später wurde daraus eine Wanderausstellung. Die Sammlung wurde anschließend magaziniert.

Nach 1985 entstand daraus der Grundstock für die Planung einer wesentlich breiter angelegten sorbischen Ausstellung. Nicht mehr nur Literatur und Schrifttum sollten gezeigt werden. Auch Musik, Volkskunde, bildende Kunst, Sprache und Alltagskultur sollten ihren Platz bekommen. Gleichzeitig sollte eine Buch- und Zeitschriftensammlung Forschern, Lehrern, Schülern und anderen Interessierten zugänglich gemacht werden.

1994: Das Wendische Museum wird eröffnet

Die jahrzehntelangen Bemühungen mündeten schließlich in die Gründung des heutigen Museums.

Am 3. Juni 1994 wurde das Wendische Museum/Serbski muzej in der Mühlenstraße 12 in Cottbus der Öffentlichkeit übergeben. Damit erhielt die sorbisch/wendische Kultur in der Niederlausitz wieder einen festen musealen Ort in der Stadt.

Seitdem entwickelte sich das Museum zu einem Mehrspartenmuseum mit umfangreichen Beständen unter anderem zu Tracht, Literatur, bildender Kunst, Volkskunst, Fotografie, Musik, Alltagskultur, Numismatik und Postgeschichte. Die Ergebnisse der Sammlungs- und Forschungsarbeit werden außerdem in der eigenen Schriftenreihe „Sorbische Kostbarkeiten“ veröffentlicht.

Umbau und neue Dauerausstellung

Eine wichtige Zäsur war der Umbau des Museums in den 2010er-Jahren.

Seit dem 1. Januar 2016 war das Museum wegen der umfangreichen Baumaßnahmen geschlossen. Während dieser Zeit wurde im Stadtmuseum Cottbus eine Ersatzpräsentation zur Geschichte und Kultur der Sorben/Wenden gezeigt.

Nach Abschluss der Umbauarbeiten wurde das Wendische Museum am 28. Oktober 2020 mit einer neu gestalteten Dauerausstellung wiedereröffnet.

Die neue Ausstellung setzt stärker auf eine moderne Vermittlung. Neben historischen Objekten stehen die Menschen und ihre Lebenswelt im Mittelpunkt. Glaube und Religion, Sprache, Literatur, Brauchtum, Tracht, Kunst und Musik werden ebenso behandelt wie die Veränderungen, die Modernisierung, gesellschaftlicher Wandel und der Verlust traditioneller Lebensräume mit sich gebracht haben.

Zweisprachigkeit gehört zum Museum

Eine Besonderheit des Wendischen Museums ist die konsequente Zweisprachigkeit. Die Ausstellungen werden auf Deutsch und Niedersorbisch präsentiert.

Das ist mehr als eine touristische Besonderheit. Die Zweisprachigkeit macht deutlich, dass Niedersorbisch nicht lediglich Gegenstand der historischen Betrachtung ist, sondern ein Teil der lebendigen kulturellen Identität der Region.

Wer die Lausitz bereist, erhält hier deshalb auch einen Einblick in eine Sprache, deren Spuren im Alltag der Region noch heute zu finden sind.

Sonderausstellungen und Veranstaltungen

Neben der Dauerausstellung präsentiert das Museum regelmäßig wechselnde Sonderausstellungen. Dabei geht es nicht ausschließlich um historische Themen. Auch Kunst, Literatur, Fotografie, Brauchtum und aktuelle Fragen des sorbisch/wendischen Lebens werden aufgegriffen.

Hinzu kommen Veranstaltungen wie Führungen, Vorträge, Lesungen, Konzerte und museumspädagogische Angebote. Damit versteht sich das Wendische Museum nicht nur als Ort des Bewahrens, sondern auch als Ort des kulturellen Austauschs.

Warum sich ein Besuch lohnt

Das Wendische Museum ist besonders für Besucher interessant, die Cottbus und den Spreewald nicht nur als Landschaft, sondern auch als Kulturraum kennenlernen möchten.

Wer beispielsweise die bekannten Spreewaldtrachten, sorbischen Ostereier, traditionellen Bräuche oder die wendische Sprache bereits aus dem Urlaub kennt, kann im Museum deren historischen und kulturellen Hintergrund besser verstehen.

Gerade deshalb eignet sich das Museum gut als Ergänzung zu einem Besuch des Spreewaldes: Viele Traditionen, die Urlauber dort erleben, werden hier in ihren historischen Zusammenhang eingeordnet.

Auch für Familien und Schulklassen gibt es museumspädagogische Angebote. Die Stadt Cottbus beschreibt die Vermittlungsarbeit des Museums ausdrücklich als einen wichtigen Aufgabenbereich.

Praktische Informationen für Besucher

Wendisches Museum/Serbski muzej
Mühlenstraße 12
03046 Cottbus/Chóśebuz

Das Museum liegt in der Cottbuser Altstadt und lässt sich deshalb gut mit einem Rundgang durch die historische Innenstadt verbinden.

Öffnungszeiten:
Von Mai bis September ist das Museum dienstags bis freitags von 10 bis 18 Uhr sowie samstags, sonntags und an Feiertagen von 13 bis 18 Uhr geöffnet. Von Oktober bis April gelten dienstags bis freitags 10 bis 17 Uhr sowie am Wochenende und an Feiertagen 13 bis 17 Uhr. Am 24. und 31. Dezember bleibt das Museum geschlossen.

Vor dem Besuch empfiehlt es sich, die aktuellen Eintrittspreise, Sonderausstellungen und Veranstaltungen direkt beim Museum zu prüfen.

Das Wendische Museum als Fenster zur Lausitz

Das Wendische Museum/Serbski muzej ist weit mehr als eine Sammlung alter Trachten und historischer Gegenstände. Es erzählt die Geschichte einer Kultur, die die Niederlausitz bis heute prägt.

Von der ersten „Wendischen Bauernstube“ von 1908 über die schwierigen Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts bis zur modernen Dauerausstellung von 2020 lässt sich zugleich die Geschichte des Bewahrens und Wiederentdeckens sorbisch/wendischer Identität nachvollziehen.

Wer Cottbus besucht und verstehen möchte, warum die Stadt zweisprachige Namen trägt, warum sorbische/wendische Bräuche bis heute zum kulturellen Leben gehören und welche Bedeutung Trachten, Sprache und Traditionen für die Lausitz besitzen, sollte einen Besuch des Wendischen Museums in der Mühlenstraße einplanen.


Anzeige
ASIN: 3742024132

Kurze Geschichte der Sorben

5.0
8,90 €

Ein kulturhistorischer Überblick



Der Cottbus-Newsletter

Keine Lust auf vollgemüllte Postfächer und belanglosen Mail-Spam? Verständlich.
Genau deshalb liefert dir dieser Newsletter einmal pro Woche nur das,
was einen Cottbuser interessiert – kompakt, verständlich und kostenlos.

Schreibe einen Kommentar

×
⚡ Cached with atec Page Cache