Cottbuser Ostsee: Warum der Tourismus noch warten muss
Seit Dezember 2024 hat der Cottbuser Ostsee seinen Zielwasserstand von 62,5 Metern über Normalhöhennull erreicht. Mit knapp 19 Quadratkilometern Wasserfläche und rund 26 Kilometern Uferlinie gilt er als größter künstlich angelegter See Deutschlands, entstanden aus dem ehemaligen Braunkohletagebau Cottbus-Nord. Trotzdem gilt am gesamten Ufer weiterhin: Betreten verboten. Warum?
Ein See unter Bergrecht
Der See ist rechtlich noch kein Gewässer wie jedes andere, sondern Teil einer Bergbaufolgelandschaft. Verantwortlich ist der Bergbaubetreiber LEAG, die Aufsicht führt das Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe (LBGR). Solange die Sanierung nicht abgeschlossen ist, bleibt das Gelände unter Bergaufsicht. Erst wenn alle Arbeiten erledigt, die Ufer als dauerhaft standsicher begutachtet und die Flächen offiziell aus der Bergaufsicht entlassen sind, können Städte und Gemeinden über die Nutzung entscheiden.
Hinzu kommt: Auch „voll“ heißt noch nicht „fertig“. Unter dem See liegt eine riesige Innenkippe aus aufgeschüttetem Erdreich, deren Hohlräume noch rund 50 Millionen Kubikmeter Wasser aufnehmen müssen. Der Wasserspiegel kann deshalb wieder sinken und wird bei Bedarf weiter mit Spreewasser aufgefüllt.
Wellen wie an der Küste
Auf einer so großen Fläche kann der Wind lange Strecken ungebremst über das Wasser streichen. Je länger diese sogenannte Streichlänge und je stärker der Wind, desto höher die Wellen. Für die westlichen Strände rechnen Planer mit Wellen von bis zu 70 bis 80 Zentimetern bei einem Sturm, wie er statistisch etwa alle 20 Jahre vorkommt. Das ist kein Alltagswert, sondern ein Sicherheitsmaßstab: Strände, Wege, Stege und Häfen müssen auch einem solchen Ereignis standhalten.
Dazu kommt ein schwankender Wasserspiegel. Je nach Wetter und Wasserverfügbarkeit kann der Pegel zwischen etwa 61,8 und 63,5 Metern NHN liegen. Damit die Wellen das Ufer bei jedem Wasserstand nicht aushöhlen, werden die Ufer möglichst flach gestaltet, sodass die Wellen auslaufen, statt gegen eine steile Kante zu schlagen.
Was noch zu tun ist
Am kritischsten ist das Ufer bei Schlichow. Dort ist die Böschung am Lärmschutzdamm 2023 mehrfach abgerutscht. Bis voraussichtlich 2027 wird das Erdreich dort eingebaut, mit Rüttelverfahren verdichtet und neu geformt. Weil die Arbeiten direkt neben dem Ort stattfinden, wird der Zustand der Häuser vorher dokumentiert. Auch an anderen Abschnitten wird das Ufer weiter abgeflacht und gesichert, ein Zaun hält Besucher auf Abstand.
Außerdem fehlt noch das Auslaufbauwerk, über das der See später Wasser an die Spree und das regionale Gewässernetz abgeben soll. Diese Arbeiten wurden um mehrere Jahre verschoben, weil zuvor ein stabiler Wasserstand abgewartet werden muss.
Tourismus braucht mehr als einen Strand
Die Pläne der Anrainer sind ehrgeizig: mehrere Strände, ein Rundweg für Radfahrer und Fußgänger, ein Stadthafen und eventuell eine Marina, Camping, Gastronomie und Wassersport. Bauen kann man aber erst, wenn klar ist, welche Uferabschnitte dauerhaft sicher sind. Das Bergamt empfiehlt sogar einen bebauungsfreien Streifen von 50 bis 75 Metern hinter der geplanten Uferlinie. Offen sind auch Fragen zu Betrieb und Unterhalt, Schifffahrt, Naturschutz, Verkehrsanbindung und Wasserqualität.
Parallel wird der See schon energetisch genutzt: Auf dem Wasser schwimmt eine Solaranlage, und die Stadt Cottbus plant, aus dem Seewasser Wärme für das Fernwärmenetz zu gewinnen.
Wann darf man ins Wasser?
Nach heutigem Stand frühestens Anfang der 2030er-Jahre, und auch dann voraussichtlich schrittweise, Abschnitt für Abschnitt. Weil sich der Zeitplan bereits mehrfach verschoben hat, ist dieses Datum eine Prognose, kein Versprechen. Der Cottbuser Ostsee ist schon heute ein sichtbares Symbol des Strukturwandels in der Lausitz, aber bis auf Weiteres eine Großbaustelle. Wer ihn erleben will, kann das derzeit vom Aussichtsturm aus tun. Absperrungen und Zutrittsverbote sollte man unbedingt beachten: Rutschungen können ohne Vorwarnung auftreten.
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