EGC – 22 Bewerber für einen Stuhl, der nie lange warm wird
Cottbus sucht wieder eine neue Spitze für seine Wirtschaftsförderung. „Wieder“ ist hier das entscheidende Wort. Auf dem Chefsessel der EGC, offiziell Entwicklungsgesellschaft Cottbus mbH, wird seit Jahren eher Reise nach Jerusalem gespielt. Mehrere Geschäftsführer kamen nur zur Überbrückung.
Der aktuelle Amtsinhaber
Der aktuelle Amtsinhaber Tim Berndt hat diesmal nichts falsch gemacht. Er bekam im April 2024 einfach nur einen Dreijahresvertrag. Wer so verpflichtet wird, weiß, dass er auf Abruf sitzt. Sein Nachfolger soll am 1. März 2027 anfangen. Der bekommt immerhin fünf Jahre mit Verlängerungsoption. Die Stadt merkt vorsorglich an, Verträge ließen sich „einvernehmlich ändern“. Das ist Juristendeutsch für: Nichts ist für die Ewigkeit.
Augenmerk der EGC
Was die EGC eigentlich tut, ist schnell erklärt. Sie ist die Anlaufstelle für alle, die in Cottbus ein Unternehmen gründen, ansiedeln oder vergrößern wollen. Sie entwickelt Gewerbeflächen, betreibt das Gründerzentrum Startblock B2 am Uni-Campus, sucht Fachkräfte und wirbt Firmen an. Zumindest soll sie das. Kritiker finden, sie organisiere lieber Veranstaltungen, als neue Unternehmen herzuholen. Ein gelungener Empfang ist schließlich auch ein Ergebnis, nur keins mit Arbeitsplätzen.
Deshalb soll sich jetzt etwas ändern. Die EGC soll enger mit der Wirtschaftsförderung im Landkreis Spree-Neiße zusammenarbeiten, sich stärker an Strukturwandelprojekten ausrichten und Synergien mit anderen städtischen Firmen heben. Dass Cottbus und der Landkreis drumherum ihre Investoren gemeinsam umwerben, klingt selbstverständlich. Dass man es eigens ausschreiben muss, sagt einiges.
Das Interesse ist jedenfalls da: 22 Bewerbungen sind eingegangen. Die Unterlagen gingen an Bürgermeisterin Doreen Mohaupt, die den Aufsichtsrat leitet. Gesellschafter sind die Stadt, die Gebäudewirtschaft und die Stadtwerke.
Die Frist endete am 8. September. Sechseinhalb Wochen später hat noch kein einziges Vorstellungsgespräch stattgefunden. Man sichte noch, heißt es. Für eine Stelle, deren Kernaufgabe Tempo und Akquise ist, ist das ein gemächlicher Auftakt.
Ausblick
Am Ende entscheidet sich nicht nur, wer den Posten bekommt. Es entscheidet sich auch, ob Cottbus künftig Unternehmen gewinnt oder vor allem Empfänge ausrichtet. Fünf Jahre Zeit hat die neue Spitze dafür. Das wäre bei der EGC schon fast eine Ära.
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