Ein Pfirsichbaum für Europa: Cottbus feiert seine Partnerstädte Montreuil und Grosseto
Manchmal sagt ein Baum mehr als jedes Abkommen. Am 23. Oktober 2026 haben Oberbürgermeister Tobias Schick und Patrice Bessac, Bürgermeister der französischen Partnerstadt Montreuil, im Branitzer Park gemeinsam einen Pfirsichbaum gepflanzt. Der Baum stammt aus Montreuil. Er erinnert an eine Freundschaft, die seit 1959 besteht. Gleichzeitig unterzeichnete Cottbus/Chóśebuz neue Kooperationsvereinbarungen mit Montreuil und mit der italienischen Partnerstadt Grosseto. Die Verbindung nach Grosseto besteht seit 1967 und soll nun wieder lebendiger werden.
Partnerschaften mit langer Geschichte
Montreuil liegt direkt östlich von Paris, Grosseto in der südlichen Toskana. Beide Partnerschaften entstanden zu DDR-Zeiten, lange bevor Frankreich und Italien die DDR 1973 offiziell anerkannten. Städtepartnerschaften gehörten damals zu den wenigen offiziellen Brücken zwischen Ost und West. Dass sie Mauerfall und Wiedervereinigung überdauert haben, zeigt ihren Wert.
Warum ausgerechnet ein Pfirsich?
Montreuil war über Jahrhunderte berühmt für seine „Murs à pêches“, die Pfirsichmauern. Ab dem 17. Jahrhundert zogen Gärtner dort Pfirsiche und anderes wärmeliebendes Obst an langen Mauern. Das Prinzip ist einfach und genial: Die Mauern speichern tagsüber die Sonnenwärme und geben sie nachts an die Bäume ab. Gleichzeitig schützen sie vor Wind und Frost. Die Bäume wachsen flach an der Wand entlang, als sogenanntes Spalierobst. So reiften Früchte, für die das Pariser Klima eigentlich zu kühl war. Montreuils Pfirsiche waren in Paris begehrt, die Mauern prägten über Generationen das Stadtbild.
Branitz knüpft an altes Gartenwissen an
Der Pfirsichbaum steht im Frühbeethof der historischen Branitzer Schlossgärtnerei, zwischen Ananashaus und Baumuniversität. Fürst Hermann von Pückler-Muskau ließ den Hof 1853/54 anlegen. In Frühbeeten wurden Pflanzen geschützt vorgezogen, damit sie früher im Jahr wachsen konnten. 2026 wurde der Hof nach historischem Vorbild wiederhergestellt. Seine neuen Mauern bestehen aus Stampflehm: Feuchte Erde wird dabei Schicht für Schicht fest in eine Schalung gestampft. Lehm speichert Wärme ähnlich gut wie die Mauern in Montreuil und ist zudem ein nachhaltiger Baustoff.
Die Idee der wärmenden Obstmauer wanderte im 19. Jahrhundert von Frankreich nach Brandenburg. Eine wichtige Figur war Alexis Lepère, ein Obstgärtner aus Montreuil und Meister des Spalierschnitts. Nach seinem Vorbild entstanden auch in Potsdam Obsttreibmauern. Branitz setzt diese Linie heute fort. Der Frühbeethof ist Teil eines großen Modellprojekts, das erforscht, wie historische Gärten mit Hitze, Trockenheit und Starkregen zurechtkommen. Altes Gärtnerwissen wird so zu einer Antwort auf den Klimawandel.
Künftig werden in zwei Reihen Frühbeetkästen Obst, Gemüse und Kräuter vorgezogen. Kinder aus den Fröbel-Kindergärten übernehmen Patenschaften für einzelne Pflanzen. So lernen sie spielerisch, wie etwas wächst und was Gärtnern bedeutet.
Feierlicher Rahmen
Nach der Pflanzung trugen sich die Gäste aus Frankreich und Italien im Grünen Saal von Schloss Branitz in das Goldene Buch der Stadt ein. Vertreterinnen und Vertreter aller drei Städte betonten, worum es bei Städtepartnerschaften im Kern geht: nicht um Verträge, sondern um Begegnungen, Vertrauen und Freundschaften. Das gilt besonders für junge Menschen.
Neuer Schwung für Grosseto
Die Partnerschaft mit Grosseto war in den letzten Jahren kaum aktiv. Das soll sich nun ändern: Geplant sind Schulkontakte, Sportbegegnungen und gemeinsame Bildungsprojekte. Eine Gruppe von Italienisch-Lernenden der Volkshochschule bereitet außerdem eine Reise in die Toskana vor. Sie wird durch Erasmus+ gefördert, das Bildungsprogramm der Europäischen Union.
Eine Woche voller Begegnungen
Vom 20. bis 25. Oktober 2026 sind 18 Jugendliche aus Montreuil und Grosseto zu Gast in Cottbus. Zusammen mit 12 Jugendlichen aus Cottbus sind sie also 30 junge Europäerinnen und Europäer. Gemeinsam erkunden sie die Stadt, besuchen Workshops und fahren nach Berlin in den Bundestag.
Höhepunkt ist das Wochenende:
- Samstag, 24. Oktober: Auf dem Montreuiler Platz findet der erste Cottbuser Städtepartnerschafts-Street-Soccer-Cup statt. Um 13:30 Uhr folgen die Siegerehrung und die offizielle Einweihung des Platzes.
- Samstag, ab 21:00 Uhr: Das Gladhouse lädt zur zweiten French Night ein, diesmal mit italienischem Einschlag. Bis 22:00 Uhr ist der Eintritt frei.
Ausblick
Ein Pfirsichbaum, Lehmmauern nach altem Vorbild, Fußball und ein Fest mit französischem und italienischem Flair: Cottbus zeigt, dass Städtepartnerschaften nach über sechzig Jahren nicht verstauben müssen. Sie leben, wenn Menschen sich begegnen. Und vielleicht trägt der Baum aus Montreuil in ein paar Jahren die ersten Branitzer Pfirsiche.
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