Die Branitzer Baumuniversität: Lernen, mit dem Klima zu leben
In Cottbus entsteht gerade etwas, das es in dieser Form in Deutschland noch nicht gibt: ein Testgelände, auf dem historische Gartenkunst und Klimaforschung zusammenarbeiten. Auf zwölf Hektar im Außenpark von Schloss Branitz baut die Stiftung Fürst-Pückler-Museum seit 2021 die „Branitzer Baumuniversität“ auf – ein Projekt, das zeigen soll, wie jahrhundertealte Parks Hitze, Dürre, Starkregen und neue Schädlinge überstehen können, ohne ihren historischen Charakter zu verlieren.
Ende August 2026 informierten sich Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) und Brandenburgs Wissenschafts- und Kulturministerin Manja Schüle vor Ort über den Baufortschritt. Das Projekt wird mit insgesamt rund 11,5 Millionen Euro gefördert: 5,5 Millionen Euro kommen über einen Bundestagsbeschluss aus dem Bundesprogramm zur Klimaanpassung urbaner Räume, weitere 6 Millionen Euro aus einem EU- und Landesprogramm. Brandenburg legt darüber hinaus noch deutlich mehr nach: Bis 2027 sollen bis zu 30 Millionen Euro aus EFRE- und Landesmitteln in die Klimaanpassung historischer Gärten im ganzen Bundesland fließen – die Branitzer Baumuniversität ist also nur der sichtbarste Baustein eines viel größeren Landesprogramms.
Eine 180 Jahre alte Idee wird wiederbelebt
Der Name ist kein Marketing-Einfall, sondern historisch verbürgt. Fürst Hermann von Pückler-Muskau legte ab Mitte der 1840er-Jahre in Branitz eine Baumschule an, um große, bereits ausgewachsene Bäume für seine Parklandschaft heranzuziehen und verpflanzbar zu machen – seine eigene „Baumuniversität“, mit der er, wie er es selbst nannte, „Oasen in Sandwüsten“ schaffen wollte. Ein durchaus passendes Bild für die karge Lausitzer Landschaft. Nach Pücklers Tod wurde die Baumschule zeitweise sogar kommerziell betrieben, bevor sie kurz vor dem Ersten Weltkrieg endete. 2011 belebte die Stiftung sie an ihrem historischen Standort wieder.
Warum Parks anders gepflegt werden müssen als Schlösser
Ministerin Schüle brachte den Unterschied zwischen Bau- und Gartendenkmalpflege auf eine einprägsame Formel: Ein Schloss bewahrt man, indem man möglichst wenig verändert – ein Park dagegen nur, indem man ihn ständig erneuert. Das ist mehr als eine hübsche Zuspitzung: Bäume sterben, wachsen aus der geplanten Form heraus oder werden durch neue Schädlinge und Trockenperioden bedroht. Ein historischer Park „konserviert“ sich also nie von selbst, sondern muss aktiv weiterentwickelt werden – nur eben so, dass das ursprüngliche gestalterische Konzept erkennbar bleibt. Genau das ist die eigentliche Aufgabe der Baumuniversität: Bäume und Pflanzsysteme zu finden, die dem künftigen Klima standhalten, ohne dass der Park sein historisches Gesicht verliert.
Brandenburg hat dabei besonders viel zu verlieren: Mit über 400 denkmalgeschützten Parks und Gärten gilt das Land als „Gartenland Deutschlands“ – und damit als besonders verwundbar gegenüber Hitze und Trockenheit.
Vier Bausteine für die Zukunft
Das Gesamtprojekt gliedert sich in vier Teile:
- Lehr- und Schaugarten in der historischen Schlossgärtnerei, unter anderem mit einem wiederhergestellten Frühbeethof und nachhaltig gebauten Pflanzmauern aus Lehm – gedacht vor allem für die Vermittlung an Kinder und Jugendliche.
- Eine „Eichenteststrecke“ entlang der Pücklerallee, auf der verschiedene Eichenarten und -hybriden getestet werden: Welche Sorten überstehen künftige Klimabedingungen, ohne dass die historische Allee ihr Erscheinungsbild verliert?
- Die neue Baumuniversität selbst, die auf dem Gelände einer ehemaligen Großgärtnerei entsteht: mit Gewächshäusern, Forschungsflächen, einem gemeinschaftlich angelegten Waldgarten, Wasserrückhalteflächen und wiederhergestellten historischen Sichtachsen.
- Ein Forschungs- und Kompetenznetzwerk mit Hochschulen wie der BTU Cottbus-Senftenberg, der HNE Eberswalde, den Universitäten Münster und Würzburg, der Humboldt-Universität und TU Berlin sowie der Hochschule Geisenheim. Ziel ist, dass Städte, Landkreise und Vereine aus ganz Deutschland von den Ergebnissen profitieren – die Baumuniversität soll also ausdrücklich kein reines Branitzer Insel-Projekt bleiben, sondern Wissen exportieren.
Ein Modell mit Ausstrahlung
Bis 2031 will sich die Einrichtung zu einem bundesweiten Kompetenzzentrum für die Klimaanpassung historischer Gärten entwickeln. Der Park Branitz selbst, mit seinen mehr als 30.000 Bäumen, dient dabei gleichzeitig als Praxisfeld und als Schaufenster: Was hier erprobt wird, soll später anderen Parkanlagen in ganz Deutschland helfen, dem Klimawandel standzuhalten – ohne ihre historische Identität zu verlieren.
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