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Cottbuser Ostsee: Unter Wasser grünt es früher als gedacht

Der Cottbuser Ostsee ist mit rund 1.900 Hektar Deutschlands flächengrößter künstlicher See. Er ist noch keine acht Jahre alt, und doch wächst in ihm schon eine überraschend vielfältige Unterwasserwelt. Forschende der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) untersuchen den See regelmäßig an 90 Stellen. Sie haben unter anderem Spiegelndes Laichkraut, Wasserschlauch, Wasserpest und Armleuchteralgen gefunden. Neben Pflanzen erfassen sie auch Kleintiere wie Muscheln, Insekten- und Libellenlarven.

Ein See aus einer Grube

Wo heute Wasser steht, wurde bis Ende 2015 Braunkohle abgebaut, im Tagebau Cottbus-Nord. Im April 2019 begann die Flutung, überwiegend mit Wasser aus der Spree. Um den Jahreswechsel 2024/25 war der Zielwasserstand von 62,5 Metern über Normalhöhennull erreicht. Gerechnet hatte man mit einem noch weitgehend kahlen Seegrund. BTU-Gewässerökologin Jacqueline Rücker sagt, sie habe einen „jungfräulichen“ See erwartet. Gefunden hat sie ausgedehnte Pflanzenbestände. Dass sich gerade diese Arten ansiedeln würden, hatten Fachleute vorhergesagt. Dass es so schnell geht, hat sie überrascht.

Die Armleuchteralge: ein kleiner Qualitätsprüfer

Besonders erfreut sind die Forschenden über die Armleuchteralgen. Trotz ihres pflanzenähnlichen Aussehens sind sie echte Algen, genauer große Grünalgen. Ihr Stängel trägt Quirle aus Seitenästen und erinnert an einen Kerzenleuchter. Sie wachsen nur in klarem, nährstoffarmem Wasser und gelten deshalb als Anzeiger für gute Wasserqualität. Gleichzeitig helfen sie, diese Qualität zu erhalten. Ihre dichten Rasen halten den Boden fest, sodass weniger Schlamm aufgewirbelt wird und weniger Nährstoffe ins Wasser gelangen. Auch der Wasserschlauch braucht nährstoffarmes Wasser. Diese wurzellose Pflanze ist übrigens fleischfressend: Mit winzigen Fangblasen saugt sie Kleinstlebewesen ein.

Warum es so schnell ging

Am Seegrund stehen noch Bäume und Sträucher, die beim Fluten unter Wasser gerieten. Sie bieten Halt und Verstecke für Pflanzen, Muscheln und Insektenlarven. Am dichtesten wachsen die Bestände in flachem Wasser und in geschützten Buchten. Dort reicht das Sonnenlicht bis zum Grund, und Wellen sowie Strömung sind schwächer als im offenen, tiefen Wasser. Nach Angaben des Bergbauunternehmens LEAG leben im See inzwischen 14 Fischarten.

Kein Grund für Entwarnung

Nicht jeder Fund ist eine gute Nachricht. Die Wasserpest stammt aus Nordamerika und kann ganze Seen zuwuchern. Im Goitzschesee bei Bitterfeld bedeckte sie 2004 fast ein Drittel der Fläche, und Mähboote mussten die Badestrände freiräumen. Ob sich die heimischen Arten am Ostsee gegen sie behaupten, ist offen.

Auch der Wasserstand ist noch nicht stabil. Im Sommer 2026 sank er durch Verdunstung und Versickerung um etwa 30 Zentimeter. Zudem ist noch nicht entschieden, ob der See künftig als Wasserspeicher für die Spree dient. Dann würde der Pegel stärker schwanken, und das würde gerade die Flachwasserzonen treffen, in denen die Pflanzen wachsen.

Fazit

Der Cottbuser Ostsee ist noch kein ausgereifter, stabiler Natursee. Aber er zeigt, wie schnell aus einer Bergbaugrube Lebensraum werden kann. Wie es weitergeht, hängt nun von mehreren Fragen ab: wie viele Nährstoffe in den See gelangen, wie sich die Ufer entwickeln, ob die Wasserpest sich durchsetzt und wie sich Natur und künftiger Tourismus miteinander vereinbaren lassen. Die Forschenden werden den See weiter genau beobachten, und Cottbus darf gespannt sein, was dort noch wächst.




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