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Cottbus im Aufbruch: 52 Millionen Euro und eine Stadt im Umbau

Neue Straßen, eine Medizin-Uni, ein zweites Gleis nach Berlin: Am 13. Oktober 2026 tagte die Brandenburger Landesregierung gemeinsam mit der Cottbuser Stadtspitze im Stadthaus. Dabei wurde deutlich, wie viel sich in der Stadt gerade bewegt und wo es noch hakt.

Was ist das Zukunftspaket?

Der Bund hat ein Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität aufgelegt. Brandenburg verteilt seinen Anteil über das „Zukunftspaket Brandenburg“. Cottbus stehen daraus mehr als 52 Millionen Euro zur Verfügung. Das Geld liegt nicht als Pauschale auf dem Stadtkonto. Die Stadt ruft es Projekt für Projekt ab und beginnt damit in den nächsten Wochen. Einen Eigenanteil muss sie nicht aufbringen.

Wofür das Geld gedacht ist

  • Sicherheit: Anbau an der Feuerwache II, Erweiterung der Regionalleitstelle Lausitz, mehr Bevölkerungs- und Katastrophenschutz
  • Schulen und Sport: neue Sporthalle für die Spreeschule in Sandow, Ausbau des Schulstandorts Gartenstraße
  • Verkehr: neue Radwege in Skadow und Merzdorf/Dissenchen, der lang erwartete Ausbau der Kiekebuscher Straße in Branitz und ein erster Abschnitt für die Straßenbahn Richtung BTU und Lausitz Science Park. Einen Zeitplan für die gesamte Straßenbahnstrecke gibt es noch nicht.

Hinzu kommen Landesmittel: 470.000 Euro für das Polizeirevier, 500.000 Euro für Planungen am Cottbuser Ostsee, über 1,4 Millionen Euro für eine Sicherheitsstation in der JVA Dissenchen und über 4 Millionen Euro für den Umbau des Pädagogischen Zentrums in den Jahren 2027 und 2028.

Medizin: Die ersten Studierenden sind da

Am 11. Oktober wurden an der Medizinischen Universität Lausitz – Carl Thiem die ersten 38 Medizinstudierenden immatrikuliert. Rund 8.000 Studieninteressierte hatten Cottbus als Wunschort angegeben. Später sollen jedes Jahr etwa 200 Ärztinnen und Ärzte ausgebildet werden. Bis 2038 fließen rund 3,7 Milliarden Euro in die Uni. Sie ist damit das größte Strukturwandelprojekt des Landes. Brandenburg hat außerdem eine Landarztquote beschlossen. Künftig sind damit rund 10 Prozent der Plätze für Studierende reserviert, die sich verpflichten, später im ländlichen Raum zu arbeiten.

Am 4. November öffnet an der Uni zudem eine Kinderschutzambulanz. Dort arbeiten Ärzte und Jugendämter zusammen, wenn der Verdacht besteht, dass ein Kind misshandelt oder vernachlässigt wird. Es ist eine von sechs solchen Einrichtungen in Brandenburg.

Forschung und Ausbildung

Am 1. Oktober war Spatenstich für einen Forschungscampus im Lausitz Science Park. Beteiligt sind unter anderem DLR, Fraunhofer und Leibniz. Im Lausitz Science Network arbeiten inzwischen 14 Forschungseinrichtungen zusammen. Die BTU bietet seit diesem Semester im Bauingenieurstudium einen Schwerpunkt Bahn an. So soll Nachwuchs für die vielen Schienenprojekte der Region entstehen.

Bahn: erst Geduld, dann Halbstundentakt

Im ICE-Werk der Deutschen Bahn wurden bereits über 50 Züge überholt. Die zweite, größere Halle soll Anfang 2027 in Betrieb gehen. Am Ende sollen hier 1.200 Arbeits- und Ausbildungsplätze entstehen.

Zwischen Lübbenau und Cottbus baut die Bahn auf 29 Kilometern ein zweites Gleis mit Oberleitung. Dazu kommen Arbeiten an Bahnübergängen und Brücken sowie neue Bahnsteige und Lärmschutz in Raddusch, Kunersdorf und Kolkwitz.

Ab dem 13. Dezember 2026 ist die Strecke ein Jahr lang voll gesperrt.

Es fahren Ersatzbusse, außerdem gibt es eine Zugverbindung über Calau nach Berlin. Ab Ende 2027 soll dann ein ganztägiger Halbstundentakt nach Berlin möglich sein. Davon profitieren täglich über 10.000 Fahrgäste.

Digital und sicher

Cottbus hat 13,48 Millionen Euro aus dem Bundesprogramm „Modellprojekte Smart Cities“ erhalten. Damit entstehen zum Beispiel ein offenes Datenportal mit 3D-Stadtmodell, digitale Fahrgastinfos, Rufbus-Angebote und eine digitale Überwachung des Energieverbrauchs städtischer Gebäude. Bei Online-Behördengängen liegt Cottbus landesweit auf Platz 2. Die Polizei plant außerdem gemeinsame Fahndungsgruppen gegen grenzüberschreitende Kriminalität, in Cottbus und in Frankfurt (Oder). Hintergrund ist, dass die Grenzkontrollen zu Polen wegfallen könnten.

Die Kehrseite des Wachstums

Oberbürgermeister Tobias Schick sagt klar: Cottbus soll wachsen. Dafür braucht die Stadt aber Wohnungen, sanierte Schulen und Turnhallen, sichere Straßen und Brücken, eine zukunftsfähige Wärmeversorgung und mehr Ärzte. Auf dem Arbeitsmarkt zeigen sich zwei Seiten. Die Arbeitslosenquote liegt in der Stadt bei etwa 8 Prozent, im Umland bei gut 6 Prozent. Gleichzeitig fehlen in vielen Bereichen Fachkräfte. Ohne Zuzug aus anderen Regionen und dem Ausland wird es nicht gehen.

Fazit

Die Gelder geben Cottbus einen kräftigen Schub. Entscheidend ist jetzt, wie schnell daraus etwas wird: Planungen, Baugenehmigungen, Fachkräfte und Wohnraum müssen Schritt halten. Erst dann merken die Menschen die Veränderungen auch im Alltag, auf dem Schulweg, im Zug und beim Arzt.




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