Cottbuser Infrastruktur: Warum die Stadtwerke ihre Netze nicht mehr offenlegen
Sabotage an Energieanlagen ist keine abstrakte Gefahr mehr, auch nicht in der Lausitz. Die Stadtwerke Cottbus reagieren darauf: Karten, Leitungsverläufe und Schutzkonzepte werden nur noch veröffentlicht, wenn es gesetzlich oder betrieblich unbedingt nötig ist.
Der Hintergrund
Im Spätsommer 2026 wurden Umspannwerke nahe großer Kohlekraftwerke angegriffen, darunter bei Jänschwalde, wenige Kilometer vor Cottbus. Polizei Brandenburg und Staatsanwaltschaft Cottbus fahnden nach einem 48-Jährigen, der verdächtigt wird, Sabotageakte auf Umspannwerke in Brandenburg, Sachsen und Nordrhein-Westfalen verübt zu haben. Bundesweit fordern Versorger deshalb mehr Schutz. RWE-Chef Markus Krebber kritisierte etwa Transparenzgesetze, die kritische Infrastruktur öffentlich machten.
Was in Cottbus auf dem Spiel steht
Nach Unternehmensangaben unterhält die Stadtwerke-Gruppe in Cottbus mehr als 1.700 Kilometer Leitungen für Strom, Erdgas und Fernwärme. Betrieben werden die Netze von Tochterfirmen, vor allem der Elektroenergieversorgung Cottbus (EVC). Geschäftsführer Vlatko Knezevic begründet die Zurückhaltung mit dem Schutz dieser kritischen Infrastruktur. Als kritisch gilt Infrastruktur dann, wenn ihr Ausfall Versorgungsengpässe oder Gefahren für die öffentliche Sicherheit auslösen kann.
Warum Schweigen hier Schutz bedeutet
Eine öffentliche Karte mit Leitungsverläufen, Knotenpunkten und Schutzmaßnahmen wäre für Täter eine Arbeitsanleitung. Deshalb bleiben Details zu Überwachung, Zutrittskontrollen und Notfallplänen vertraulich. Ziel ist, dass Strom und Wärme auch bei Störungen oder Angriffen so weit wie möglich weiterfließen.
Wichtig für Bauherren: Wer gräbt oder baut, bekommt weiterhin die nötigen Leitungsauskünfte, allerdings gezielt auf Anfrage und nicht frei im Internet. Eine Anfrage vor Baubeginn bleibt Pflicht.
Beispiel: Fernwärme unter den Gleisen
Wie aufwendig der Netzausbau ist, zeigt das neue ICE-Instandhaltungswerk der Deutschen Bahn am Cottbuser Hauptbahnhof. Die Halle sollte mit Fernwärme beheizt werden, doch dazwischen lagen in Betrieb befindliche Gleise. Die Lösung war ein rund 173 Meter langer Mikrotunnel. Dabei wird ein Tunnel unterirdisch vorgetrieben, ohne dass ein offener Graben nötig ist.
In den Tunnel wurden vier flexible Fernwärmeleitungen mit rund 30 Zentimetern Außendurchmesser eingezogen. Es handelt sich um doppelwandige, gedämmte Stahlrohre, die sich wie ein Kabel von großen Trommeln abrollen lassen. Zwei weitere Leitungen folgten im April 2025 im Spülbohrverfahren. Dabei bohrt eine lenkbare Maschine unterirdisch einen Kanal, und das Rohr wird anschließend hindurchgezogen. Der Bahnverkehr lief währenddessen weiter.
Fazit
Moderne Leitungen und kluge Bautechnik machen die Versorgung leistungsfähiger. Sicher ist ein Netz aber erst, wenn Angreifer nicht wissen, wo seine Schwachstellen liegen. Für Cottbus bedeutet das künftig weniger öffentliche Details, strengere Zugriffsregeln und eine Sicherheitsplanung, die Angriffe auf Strom-, Gas- und Fernwärmenetze ernst nimmt.
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