Der Weltspiegel in Cottbus: Kinogeschichte zum Anfassen
Wer durch die Cottbuser Innenstadt schlendert, kommt an einem besonderen Haus vorbei: dem Filmtheater Weltspiegel in der Rudolf-Breitscheid-Straße. Es wurde am 4. Oktober 1911 eröffnet und ist das älteste eigens als Kino errichtete Gebäude Brandenburgs. Zugleich zählt es zu den ältesten Kinobauten Deutschlands, die noch heute Filme zeigen.
Damals war ein eigenes Kinogebäude eine Sensation. Filme liefen meist in umgebauten Gaststätten oder Ladenlokalen. Der Weltspiegel wurde dagegen von Anfang an als Kino geplant. Den Entwurf lieferte der Architekt Paul Thiel, gebaut hat der Baumeister Moritz Hausten. Mit Parkett, Rang und Logen erinnerte das Haus eher an ein kleines Theater als an einen Vorführraum. Es war ein echter Filmpalast für die aufstrebende Industriestadt.
Schon von außen fällt der Bau auf. Die geschwungene Fassade verbindet Formen des späten Historismus mit Elementen des Jugendstils: Rundbögen, Wandpfeiler, verspielte Engelsfiguren und das Relief mit dem Schriftzug „Weltspiegel“. Innen sind die prachtvolle Kassettendecke, Stuckarbeiten, alte Türen und Teile der Marmorverkleidung erhalten. Ein besonderes Schmuckstück ist das östliche Treppenhaus im Jugendstil mit rosafarbenem Marmor.
Über ein Jahrhundert hinweg erlebte der Weltspiegel Kaiserreich, zwei Weltkriege, die DDR-Zeit und die Wende. Dazu kamen mehrere Umbauten. Ende der 1990er Jahre wurde das Haus nur noch einmal im Jahr für das Filmfestival Cottbus genutzt. Ab 2010 folgte die Rettung: Für mehr als drei Millionen Euro wurde das Kino denkmalgerecht saniert und um einen modernen Anbau erweitert. Pünktlich zum 100. Geburtstag öffnete es am 31. Mai 2011 wieder seine Türen. Regisseur Wim Wenders zeigte zur Eröffnung seinen 3D-Film „Pina“. Für die gelungene Verbindung von Alt und Neu erhielt das Haus 2012 den Denkmalpflegepreis des Landes Brandenburg.
Die moderne Gegenwart
Heute bietet der historische große Saal rund 500 Plätze. Sein Boden besteht aus verschiebbaren Podesten, sodass der Raum auch für Konzerte, Tanz oder Feiern genutzt werden kann. Im Neubau liegen zwei kleinere Säle mit je 83 Plätzen, dazu kommen eine Filmbar und eine Dachterrasse. Neben aktuellen Filmen in digitaler Technik, auch in 3D, gibt es Konzerte, Kabarett und andere Veranstaltungen.
Der Weltspiegel zeigt, wie ein Denkmal lebendig bleiben kann: als Ort, an dem man nicht nur Geschichte bestaunt, sondern ganz selbstverständlich ins Kino geht.
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