Die Dorfkirche Döbbrick: Ein Rokoko-Traum aus dem Jahr 1911
Wer durch Döbbrick fährt, sorbisch Depsk, sieht mitten im Dorf eine Kirche, die eher an ein verspieltes Barockschlösschen erinnert als an ein märkisches Gotteshaus. Die evangelische Dorfkirche ist allerdings kaum älter als hundert Jahre. Sie wurde 1911 gebaut, im Stil des Neorokoko. Das ist eine Spielart des Historismus, der Formen vergangener Epochen nachahmte. Der Ort gehört seit 1993 zu Cottbus, die Kirche zur Klosterkirchengemeinde Cottbus.
Ein langer Weg zur eigenen Kirche
Kirchlich gehörte Döbbrick jahrhundertelang zur Cottbuser Klosterkirche. 1857 entstand zwar eine eigene Kirchengemeinde, doch für Gottesdienst und Konfirmandenunterricht mussten die Menschen weiter in die Stadt. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Wunsch nach einem eigenen Gotteshaus Wirklichkeit. Um den Standort stritten die Nachbardörfer Skadow, Willmersdorf und Döbbrick, und Döbbrick setzte sich durch. Den Entwurf schreibt das Denkmalamt dem Berliner Architekten Arthur Mäkelt (1881–1971) oder einem Architekten namens A. Witt zu.
Außen: Farbe, Schwung und ein Türmchen aus Holz
Die Kirche ist ein schlichter, rechteckiger Saalbau aus verputztem Mauerwerk. Ein Saalbau hat einen einzigen, ungeteilten Innenraum ohne Seitenschiffe. Ihren Charme gewinnt sie durch die Details. Seit der Restaurierung 2017 leuchtet sie wieder in kräftigen Farben, wie sie Restauratoren als ursprünglich ermittelt haben. Fensterrahmungen (Faschen), Schlusssteine und Kanten sind hell abgesetzt. Je vier flache Bogenfenster gliedern die Längsseiten. Im Biberschwanzdach sitzen kleine, geschwungene Fledermausgauben.
Die Schauseite ist die Westfassade mit dem Haupteingang. Eine kleine Treppe führt zu einem großen Bogenportal, darüber liegen runde Ochsenaugen-Fenster. Ein geschweifter Giebel trägt die Turmuhr, ganz oben sitzt ein hölzerner Dachreiter. Das ist ein Türmchen, das direkt auf dem Dach steht statt auf eigenem Fundament. Er hat Schallöffnungen für die Glocken, ein Pyramidendach, eine Turmkugel und ein Kreuz. Im Osten schließt die Kirche mit einem vieleckigen, fensterlosen Chor ab.
Innen: Ein bemalter Festsaal
Die Ausstattung stammt fast vollständig aus der Bauzeit. Den Raum prägen zwei Elemente:
- Der Kanzelaltar: Die Kanzel sitzt direkt über dem Altar. Das ist typisch für evangelische Kirchen und zeigt, dass Predigt und Abendmahl gleich wichtig sind.
- Die Hufeisenempore: Eine Galerie läuft an drei Seiten wie ein Hufeisen um den Raum und schafft zusätzliche Sitzplätze.
Altar, Empore, Bänke, Wände und Decke sind mit Blumen- und Rankenornamenten bemalt. Die Ausmalung ist original erhalten. Dazu gehört ein Psalmwort in niedersorbischer Sprache, ein Zeugnis dafür, dass in der Region um Cottbus lange Wendisch gesprochen und gebetet wurde. „Barock“ ist hier übrigens nichts: Alles ist bewusste Nachempfindung aus der Zeit um 1911.
Gepflegt und lebendig
Die Kirche überstand den Zweiten Weltkrieg ohne Bauschäden. 1999/2000 wurde sie außen saniert, 2017 bekam sie ein neues Dach und ihre heutige Farbfassung. Auch das Umfeld wurde kürzlich neu gestaltet. Sie ist bis heute Treffpunkt und Mittelpunkt des Dorflebens, etwa beim traditionellen Hahnrupfen.
Warum sich ein Besuch lohnt
Die Döbbricker Kirche ist kein mittelalterliches Bauwerk, sondern ein ungewöhnlich verspieltes Beispiel für den protestantischen Dorfkirchenbau kurz vor dem Ersten Weltkrieg. Die farbige Fassade, der original ausgemalte Innenraum, der Kanzelaltar und die sorbische Inschrift machen sie zu einem reizvollen Baudenkmal im Norden von Cottbus.
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