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Die „Barackenstadt“ in Cottbus: Bauen oder bewahren?

Wer von der Innenstadt Richtung Hauptbahnhof unterwegs ist, kennt sie: die große, unbebaute Fläche an der Straße der Jugend, zwischen Taubenstraße und Blechenstraße. Seit gut drei Jahrzehnten liegt das knapp zwei Hektar große Areal brach. Bis heute trägt es den Namen „Barackenstadt“. Nun wird erneut darüber diskutiert, was aus diesem zentralen Grundstück werden soll.

Ein Ort mit Geschichte

Ab etwa 1835 befand sich hier der damalige Zentralfriedhof der Stadt. Bestattungen fanden bis 1870 statt, 1898 wurde er endgültig geschlossen. Die Friedhofskapelle wurde später zur Gedenkhalle für die Kriegsopfer umgestaltet und 1963 abgerissen. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden auf dem Gelände Holzbaracken für Behörden und Verwaltungseinrichtungen. Das galt vor allem ab 1952, als Cottbus Bezirksstadt wurde und rasch Verwaltungsräume brauchte. So erhielt das Gelände seinen Namen. Nach der Wende wurden die Baracken 1990/91 größtenteils abgerissen, die letzten verschwanden 1994 nach einem Brand.

Argumente für eine Bebauung

Die Stadt sieht die Fläche seit Langem als Potenzial für innerstädtisches Wohnen. In der Stadtentwicklungsplanung ist sie als Wohnbaufläche vorgesehen. Für eine Bebauung sprechen vor allem drei Gründe:

  • Lage: Innenstadt, Bahnhof und Nahversorgung sind zu Fuß erreichbar.
  • Wohnraum: Mit dem Strukturwandel in der Lausitz rechnet die Stadt mit Zuzug. Neue Wohnungen auf bereits erschlossenen Flächen schonen den Außenbereich.
  • Belebung: Eine Bebauung könnte eine seit Jahrzehnten bestehende Lücke im Stadtbild schließen.

Argumente für den Erhalt

Kritiker halten dagegen, dass die Fläche ungepflegt wirken mag, aber kein „Schandfleck“ sei. Sie verweisen auf ihren Wert als offenen Raum in der Stadt, für Erholung, Stadtklima und Durchblick. Zudem gebe es in Cottbus andere, weniger sensible Flächen, die zuerst bebaut werden sollten. Hinzu kommt die Vergangenheit als Begräbnisstätte. Sie verlangt einen besonders respektvollen Umgang mit dem Ort.

Zwischen Vision und Wirklichkeit

Die Stadtverwaltung bewertet die Rahmenbedingungen für eine Bebauung als schwierig. Sie hält aber grundsätzlich an dem Ziel fest und ist auf Investoren angewiesen. Bis zu einer dauerhaften Lösung soll das Gelände aufgewertet werden, etwa durch erneuerte Wege und künstlerische Gestaltung. Ein Anfang ist gemacht: Die alte Friedhofsmauer an der Blechenstraße ist inzwischen mit großflächigen Graffiti-Kunstwerken gestaltet.

Ausblick

Bei der Barackenstadt geht es um eine Grundsatzfrage: Möchte Cottbus diese zentrale Fläche für Wohnen und Gewerbe nutzen, oder als seltene innerstädtische Freifläche bewahren? Denkbar ist auch ein Mittelweg, etwa eine teilweise Bebauung mit einem öffentlichen Grünbereich, der an die Geschichte des Ortes erinnert. Wie die Entscheidung ausfällt, wird zeigen, welche Prioritäten die Stadt für ihre Zukunft setzt.




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