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Der Spreewaldbahnhof Cottbus

Am Rand des Cottbuser Hauptbahnhofs, in der Wilhelm-Külz-Straße 20 (früher Güterzufuhrstraße 1), steht ein auffälliger Klinkerbau mit Fachwerkgiebeln und einem kleinen Turm mit Zwiebelhaube. Er ist das letzte große Zeugnis der Spreewaldbahn. Die Leute nannten die kleine Bahn liebevoll „Bimmelguste“, weil ihre Züge sich mit Glockengebimmel ankündigten.

Eine Kleinbahn für den Spreewald

Die Spreewaldbahn war eine Schmalspurbahn mit einem Meter Spurweite. Normale Eisenbahnen haben 1,435 Meter. Gebaut wurde sie nach dem preußischen Kleinbahngesetz von 1892, das den Bau günstiger Nebenbahnen auf dem Land erleichterte. Träger war die Lübben-Cottbuser Kreisbahn, die 1924 den Namen „Spreewaldbahn“ annahm.

Die Bauarbeiten begannen 1897 in Straupitz, das zum Knotenpunkt des Netzes wurde. 1898 gingen die ersten Strecken in Betrieb. Am 7. Dezember 1899 war das Netz vollständig eröffnet. Es war rund 85 Kilometer lang und verband Cottbus über Burg mit Straupitz. Von dort fuhren die Züge weiter nach Lübben, nach Goyatz am Schwielochsee und über Lieberose nach Jamlitz.

Die Bahn brachte landwirtschaftliche Erzeugnisse, Holz und andere Waren aus den Spreewalddörfern in die Städte. Sie machte den Spreewald auch für Ausflügler erreichbar. Schon zur Eröffnung holten Kahnfährleute Gäste direkt vom Zug ab.

Ein Bahnhof im Landhausstil

Der Cottbuser Endbahnhof hieß zunächst „Anschlussbahnhof“, weil man hier in die Züge der großen Staatsbahn umsteigen konnte. Ein Fußgängertunnel führte direkt zu deren Bahnsteigen. Güterwagen der Normalspur wurden in sogenannten Rollbockgruben auf kleine Fahrgestelle gesetzt, die Rollböcke. So konnten sie ohne Umladen auf dem schmalen Gleis weiterfahren.

Als Empfangsgebäude diente anfangs ein provisorischer Holzbau. Am 5. Dezember 1904 wurde das heutige Gebäude eingeweiht. Errichtet hat es die Berliner Eisenbahngesellschaft J. R. Becker & Co. Der ein- bis zweigeschossige Klinkerbau mit Krüppelwalmdach erinnert an den englischen Landhausstil. Typisch sind die spitzbogigen Fenster im Erdgeschoss und die rundbogigen im Obergeschoss. 1924 kamen ein Anbau mit achteckigem Turm und ein neuer Eingangsbereich hinzu.

Krisen, Verstaatlichung und Ende

Wirtschaftlich stand die Bahn nie auf festem Grund. In den 1930er-Jahren übernahm die Brandenburger Landesverwaltung die Betriebsführung. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Bahn verstaatlicht und kam um 1950 zur Deutschen Reichsbahn der DDR.

Mit dem wachsenden Bus- und Autoverkehr verlor die „Bimmelguste“ ab den späten 1950er-Jahren Fahrgäste und Fracht. 1967 wurde die Strecke Lübben–Straupitz stillgelegt. Am 3. Januar 1970 endete der Betrieb auch in Cottbus, und der letzte Zug fuhr von hier nach Straupitz. Danach wurden die Gleise größtenteils abgebaut, und Busse übernahmen den Verkehr. Nur ein kurzes Gleisstück in Cottbus blieb als Schmalspur bis 1983 in Betrieb. Danach wurde es auf Normalspur umgebaut.

Vom Bahnhof zum Baudenkmal

Nach der Stilllegung nutzte die Bahn das Empfangsgebäude als Verwaltungssitz. In den 1980er-Jahren wurde es saniert, dabei ersetzten Schindeln die alten Biberschwanzziegel. 1998 folgte eine denkmalgerechte Sanierung. Beim Ausbau der Cottbuser Umgehungsstraße 2010 wurde die Straße südlich um das Gebäude herumgeführt, damit es erhalten blieb.

Heute steht der Spreewaldbahnhof unter Denkmalschutz. Er erinnert an eine Zeit, in der ein kleiner Zug Cottbus mit den Dörfern des Spreewalds verband. Wer die Geschichte weiter verfolgen will, findet Spuren der Strecke auf Bahntrassenradwegen und im ehemaligen Bahnhof Straupitz, wo heute ein Verein die Erinnerung an die Spreewaldbahn pflegt.





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