Cottbus wird zur Bühne für die Zukunft des Stadtmarketings
Deutsche Stadtmarketingbörse 2026 verbindet KI, Stadtentwicklung und den Lausitzer Strukturwandel
Cottbus wird vom 13. bis 15. September 2026 zum Treffpunkt des deutschen Stadtmarketings. Die Bundesvereinigung City- und Stadtmarketing Deutschland (bcsd) veranstaltet ihre Deutsche Stadtmarketingbörse unter dem Titel „Künstlich intelligent, natürlich kommunikativ“ im Gründungszentrum STARTBLOCK B2.
Im Mittelpunkt steht eine Frage, die für Städte zunehmend strategische Bedeutung bekommt: Wie kann Künstliche Intelligenz genutzt werden, ohne dass Glaubwürdigkeit, menschliche Kommunikation und gesellschaftlicher Zusammenhalt auf der Strecke bleiben?
Denn KI verändert längst nicht mehr nur Arbeitsprozesse. Sie beeinflusst auch, wie Informationen entstehen, verbreitet und wahrgenommen werden. Für Stadtmarketingorganisationen ergeben sich neue Möglichkeiten – von automatisierter Kommunikation und datenbasierten Analysen bis zu personalisierten Informationsangeboten. Gleichzeitig wachsen die Anforderungen an Transparenz, Datenschutz, digitale Kompetenz und Verantwortungsbewusstsein.
Cottbus selbst wird zum Anschauungsbeispiel
Dass die Stadt als Gastgeber ausgewählt wurde, ist inhaltlich durchaus passend. Cottbus/Chóśebuz befindet sich mitten in einem tiefgreifenden Strukturwandel: Aus einer vom Braunkohlebergbau geprägten Region soll ein Standort für Wissenschaft, Gesundheit, Energie, Mobilität und Innovation entstehen.
Mit der BTU Cottbus-Senftenberg, der Medizinischen Universität Lausitz – Carl Thiem, dem Lausitz Science Park, dem neuen Bahnwerk und dem entstehenden Cottbuser Ostsee sind zahlreiche Projekte verbunden, die diesen Wandel sichtbar machen.
Besonders bemerkenswert ist dabei das aktuelle IW-Regionalranking 2026. Cottbus/Chóśebuz belegt dort Platz eins im Dynamikranking und wird damit als dynamischste Stadt beziehungsweise Regionseinheit Deutschlands geführt. Das sollte allerdings nicht mit einer allgemeinen Spitzenposition verwechselt werden: Im Niveauranking liegt Cottbus auf Rang 158 von 400 untersuchten Städten und Landkreisen. Das Ergebnis beschreibt also vor allem die Entwicklungsgeschwindigkeit, nicht den bereits erreichten Wohlstand oder die umfassende Standortqualität.
Gerade dieser Unterschied macht das Ranking interessant: Cottbus ist noch längst keine durchgehend prosperierende Großstadt, entwickelt sich aber in mehreren Bereichen vergleichsweise schnell.
Vom Tagebau zum Zukunftsstandort
Auch der Cottbuser Ostsee steht symbolisch für diesen Wandel. Wo sich früher ein Braunkohletagebau befand, entsteht schrittweise ein neuer Landschafts-, Freizeit- und Entwicklungsraum.
Noch größer ist die regionale Dimension des Strukturwandels. Die Lausitz wurde Ende 2025 offiziell als erstes Net Zero Valley Europas ausgewiesen. Im Mittelpunkt stehen dabei Zukunftstechnologien wie Batterien und Speicher, Wasserstoff, Stromnetze sowie Energieeffizienz und Sektorenkopplung. Das Net Zero Valley ist ausdrücklich ein Projekt der gesamten Lausitz und nicht ausschließlich der Stadt Cottbus.
Damit wird Cottbus während der Stadtmarketingbörse gewissermaßen selbst zum Reallabor: Die Teilnehmer erleben vor Ort, wie eine ehemalige Kohleregion versucht, ein neues wirtschaftliches und gesellschaftliches Selbstverständnis zu entwickeln.
Stadtmarketing trifft Stadtgeschichte
Das Gastgeberprogramm beschränkt sich deshalb nicht auf Konferenzräume. Vier Exkursionen sollen unterschiedliche Seiten von Cottbus und der Lausitz zeigen – von der sorbisch/wendischen Identität über Perspektiven auf die Stadt vom Wasser aus bis zum Strukturwandel am Cottbuser Ostsee und zu innovativen Zukunftsprojekten.
Ein besonderer Blick gilt der Medizinischen Universität Lausitz – Carl Thiem. Im Wintersemester 2026/27 beginnen dort die ersten 36 Studierenden im Modellstudiengang Humanmedizin. Die Universität steht damit exemplarisch für den Versuch, Cottbus langfristig als Wissenschafts- und Gesundheitsstandort neu zu positionieren.
KI braucht Vertrauen
Die Wahl des Tagungsthemas ist deshalb bemerkenswert. Stadtmarketing war lange vor allem mit Werbung, Veranstaltungen und Standortimage verbunden. Heute geht es zunehmend darum, komplexe Veränderungsprozesse verständlich zu machen und unterschiedliche Interessen miteinander zu verbinden.
KI kann dabei helfen – etwa bei der Analyse von Daten, der Bürgerkommunikation oder der Aufbereitung komplexer Informationen. Sie kann aber ebenso neue Probleme erzeugen: automatisierte Desinformation, mangelnde Transparenz, Datenschutzfragen oder eine Kommunikation, bei der kaum noch erkennbar ist, ob ein Mensch oder eine Maschine dahintersteht.
Genau an dieser Schnittstelle setzt die Deutsche Stadtmarketingbörse an. Nicht die Technik allein soll im Mittelpunkt stehen, sondern die Frage, welche Rolle der Mensch in einer zunehmend automatisierten Kommunikation behalten muss.
Cottbus nutzt die Bühne
Für Cottbus ist die Veranstaltung deshalb eine doppelte Chance. Die Stadt kann bundesweit zeigen, was sich tatsächlich verändert hat – vom ehemaligen Kohlestandort zum Wissenschafts-, Gesundheits- und Innovationsstandort. Gleichzeitig wird sie daran gemessen werden, ob aus den großen Zukunftserzählungen auch dauerhaft sichtbare Verbesserungen für Wirtschaft, Arbeitsplätze, Infrastruktur und Lebensqualität entstehen.
Die Deutsche Stadtmarketingbörse ist damit mehr als eine Fachkonferenz. Sie wird zu einem Test dafür, wie glaubwürdig eine Stadt ihren eigenen Wandel erzählen kann.
Und vielleicht passt gerade deshalb das Motto besonders gut zu Cottbus: künstlich intelligent, aber natürlich kommunikativ.
Auf einen Blick
BCSD-Stadtmarketingbörse „Künstlich intelligent, natürlich kommunikativ“
Termin: 13. bis 15. September 2026
Tagungsort: STARTBLOCK B2, Cottbus/Chóśebuz
Veranstalter: Bundesvereinigung City- und Stadtmarketing Deutschland e. V. (bcsd)
Gastgeber: Stadtmarketingverband Cottbus e. V. gemeinsam mit Partnern aus Stadt und
Region
Programm und Anmeldung: www.stadtoptimisten.de
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