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Wo die Seele Anker wirft: Die Ostseekirche wird zum Haus der Stille

Am Rande des größten künstlichen Sees Deutschlands entsteht im Cottbuser Ortsteil Merzdorf ein außergewöhnlicher ökumenischer Rückzugsort für Achtsamkeit, Gebet und innere Einkehr. Ein Erlebnisbericht.

„Weite. Nähe. Stille.“ – in eleganten goldenen Buchstaben glänzt dieser Dreiklang auf den dunkelgrünen Postkarten des Vereins Ostseekirche. Die besondere Faszination dieses Ortes entfaltet sich sofort, als ich im Cottbuser Ortsteil Merzdorf vor der malerischen kleinen Kapelle stehe. Aus ihren hellen Mauern und den bunt verglasten Fenstern strahlt im Sonnenlicht eine wohlige Wärme. Umgeben von einem lichten Kiefern- und Birkenhain ruht das Gotteshaus am Ende der Merzdorfer Hauptstraße – genau dort, wo das Dorf sanft an einen begrünten Wall stößt.

Oben auf der Höhe stehen Sabine Hänel, Steffi Ahrenholz und Christine Altmann. Ihr Blick schweift über den gigantischen Wasserspiegel des Cottbuser Ostsees. Wo bis vor wenigen Jahren noch die riesige Mulde des Braunkohletagebaus Cottbus-Nord das Landschaftsbild prägte, erstreckt sich heute eine 1.900 Hektar große Wasserfläche. Nach intensiver Flutung mit Spreewasser hat das Gewässer seinen Zielwasserstand erreicht – Deutschlands größter künstlicher See ist Realität geworden. Bis 2030 entsteht hier Schritt für Schritt eine faszinierende Oase der Naherholung.

Ökumenischer Raum der Einkehr

Die drei Frauen verbindet eine gemeinsame Vision: Sie möchten die Ostseekirche Merzdorf zu einem vielschichtigen „Haus der Stille“ entwickeln. Geplant sind Oasentage für Haupt- und Ehrenamtliche, Formate für Achtsamkeit und Kontemplation sowie offene Angebote für alle, die im hektischen Alltag nach Entschleunigung suchen.

Das Besondere an diesem Projekt ist der gelebte ökumenische Geist. Sabine Hänel und Christine Altmann sind in der Landeskirchlichen Gemeinschaft verwurzelt, während Steffi Ahrenholz der Neuapostolischen Kirche angehört und den Baptisten nahesteht. Aus dieser Gemeinschaft erwuchs 2024 der Verein Ostseekirche e.V.. Eigentümerin des Areals ist die Landeskirchliche Gemeinschaft; zeitgleich nutzt die evangelische Kirchengemeinde St. Nikolai Cottbus die Kapelle seit jeher voller Gastfreundschaft.

Zukunftspläne & Umgestaltung

Bei einer Tasse Kaffee im behaglichen Innenraum der Kapelle erläutern die Akteurinnen die nächsten Entwicklungsschritte. Im angrenzenden Wäldchen soll in Zukunft ein Gästehaus entstehen, das Besuchern auch mehrtägige Auszeiten ermöglicht. Ein Vorhaben, bei dem schon heute tatkräftig angepackt wird: Eine Jugendgruppe hat auf dem Areal bereits Ordnung geschaffen und Totholz gestapelt. Ein zusätzliches Flurstück soll vom Energieunternehmen LEAG erworben werden.

„Sobald das Gelände, die Kapelle und das kleine Gemeindehaus an den Verein übergehen, können wir die LEADER-Fördermittel der EU beantragen“, erklärt Christine Altmann. Der Abschluss des Erbpachtvertrages steht unmittelbar bevor. Das winzige historische Gemeindehaus – in dem bis 1953 die einstiges Stifterin des Grundstücks wohnte – wird als Erstes saniert. Die Hauptkapelle weist aufgrund des instabilen Untergrunds Risse auf; sie soll ab 2027 behutsam abgetragen und an gleicher Stelle neu aufgebaut werden.

Ein Ort, der Menschen verbindet

Die Resonanz im Ort und in der Region ist überwältigend. Sowohl die Ortsgemeinde Merzdorf als auch die Cottbuser Stadtökumene begleiten das Vorhaben mit großer Begeisterung. „Die Menschen freuen sich darauf, dass hier nachhaltiges Leben einkehrt“, betont Seelsorgerin Sabine Hänel.

Erste Akzente hat das Team bereits gesetzt – etwa bei der Nacht der offenen Kirchen der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Cottbus. „Unsere Einladung zur Kontemplation wurde mit großer Dankbarkeit angenommen“, erinnert sich Psychologin Steffi Ahrenholz. Der Ort strahle eine tiefe Geborgenheit aus. Die Akteurinnen blicken voll Vertrauen in die Zukunft: Vieles habe sich bisher wie von selbst gefügt – ein Zeichen dafür, dass an diesem Ufer der Ruhe Gottes Segen ruht.




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